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Texte über Musik, Raum, Gestaltung und Kunst. Fotos.

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Als ich schließlich das bauhaus erblickte, das ganz aus einem Stück gegossen zu sein scheint wie ein beharrlicher Gedanke, und seine Glaswände, die einen durchsichtigen Winkel bilden, mit viel Luft verschließend und doch von ihr getrennt durch einen exakten Willen […]. Dieses Bauwerk steht gewissermaßen im feindlichen Gegensatz zu den benachbarten Häusern und zum Erdboden selbst, zum ersten Male sieht hier die Erde einen Kult der nackten Vernunft […]. Jeder Winkel, jede Linie, jedes kleinste Detail wiederholt hier eindringlich die Schlussworte seit der Schulzeit vergessener Theoreme: Was zu beweisen war. — Ilja Ehrenburg, erster Besuch am bauhaus Dessau, 1929. Eine der zahlreichen signifikanten Textpassagen unserer Reise in die beiden bauhausstädte.

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Masse und Beschleunigung

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Der Sinn für den absoluten Nachdruck in Musik und Visuellem, die Lust am unterscheiden und zementieren (wie rar das ist!) – sie sind mir nicht abhanden gekommen. Aber mein kognitiver Apparat scheint gerade zu aufgeraut, als dass er mich die Reibung mit allzu gratigen Oberflächen als belebend und antreibend empfinden lassen könnte. Für den Augenblick gehört jedes Momentum und jede Energie hinter massive Luftpolster. Eingehüllt, so dass ihr Gewicht deutlich spürbar bleibt, ihr Aufprall aber nicht. Eine ortlose Kraft, die jeden Winkel der Wahrnehmung füllt.

House und Dub spielen also weiterhin wieder eine Rolle, in ihrer reduzierten und warmen Form. Es ist sicherlich dieser Sommer, aber auch das Jahr: Abgepolstert, fern, ganz gut damit.

Alex weist mich auf Tlim Shugs exzellente Mutuality EP hin, und füllt damit das Zentrum der Playlist, von der ich nicht wusste, dass sie ich sie dringend brauche. Rari Techno ist seltene reine Wärme, ein Track wie aus 2007, als sowas noch die ganze Nacht im Bunker lief und niemand dazu ausrastete. Weiterhin auf der Liste: Die exzellente Mental Universe-EP von Artefakt, Basic Channel (wie berichtet) und die humide Acronym-Platte aus dem vorvergangenem Jahr. Maximaler Nachdruck, nur mittelbare Berührung, das scheint richtig für den Augenblick.

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Monumentaler Realbuddhismus

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Ich höre wieder Basic Channel und alles drumherum, in diesem Sommer. Große Ruhe liegt über den Pfaden, die durch die Stadt führen, und auch aus ihr hinaus. Wir reisen durch Europa, um Ausstellungen zu sehen und die Haptik und Atmosphären der Gebäude niederzuschreiben. Wir haben noch Momentum und die Energie für konzentrierte Wiederholung. Also Dub, und er zieht Ellipsen komprimierter Leere durch Wochen. Der negative Raum, den diese Musik lässt, ist recht für das Nachzeichnen der Pfade, den ersten Schritt in den Regen oder das Summen eines sonnigen Tages bevor er wirklich beginnt. Going through the motions, but doing so with increased mindfulness. Möglicherweise ist das Nichts noch einmal neu zu lernen, oder immer wieder.

Dieser Sommer, Basic Channel, Maurizio – M06A: “Monumentaler Realbuddhismus. Kunst, die man nicht sieht. Musik, die man nicht hört. Ein Denken, das alles irgendwie denkbare schon erledigt hat und jedem dadurch alle Freiheit gibt und einen so einfach komplett in Ruhe lässt. Das Geheimnis der Verborgenheit der Nichtüberprägnanz.”

Genau, und:

Ich verstehe wirklich nicht, wie es paar Leuten da in Berlin gelingen konnte, so weit und so lässig ins Überindividuelle auszugreifen. Wo haben die das hergenommen? Das Weglassen können?

Ja, Rainald. Vor 19 Jahren, immer noch.

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Konstitutive Oberfläche

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Den in dieser Zeit stets mitzudenkenden Kontextverweis auf die politische Weltlage unterlassend, wies mich Hannes gestern auf den Ausspruch Andrei Sinyavskys hin, dass seine Differenzen mit dem sovietischen Regime in erster Linie ästhetischer Natur seien:

The writer Andrei Sinyavsky, perhaps the first person to become known as a Soviet dissident, once quipped that his ‘differences with the Soviet regime were primarily aesthetic.’ Buried in a dense autobiographical essay and qualified as a joke, the line nonetheless was and remains one of the most-repeated sentences among the differently minded in the Soviet Union and in Putin’s Russia.

Die Oberfläche ist der Ausdruck, also das Wahrnehmbare, zu Anschluss und Konstruktion entschieden Angebotene des Inneren. Die Entschiedenheit ist das Wichtige, also die Bewusstheit der Entscheidung nach Forschung, Überblick und Prüfung der Kriterien (welcher Kriterien auch immer). Nur was in eine Form gebracht wird, ist vorhanden und kann verwendet werden, für Kritik und Anschluss, im Gegenteil zum vermeintlich organisch Erspürtem. Das Innere ist die Leerstelle und die Kritik am wie, an Optics und Haptics der Macht und der Gesellschaft ist die Achse der Diskurse – hier geschieht Arbeit, die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit verdient.

(Im Februar 2017)

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“2017”

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Ich bin generell interessiert an Material und Prozess, in Kunstarbeit wie in der Arbeit am Leben im Allgemeinen. Musik und Zustände, Konfiguration von Orten und Bewusstsein, gebaute Welt und erlebtes Unterwegssein als Material zu betrachten, das einer kognitiven Prozedur unterzogen wird, erscheint mir naheliegend und vertraut. Output, als Gelebtes und Veröffentlichtes, geschieht zeitversetzt und ist gebrochen durch die Bedingungen der handelnden Person.

Wenige Bearbeitungen der erlebten Welt fesseln mich so sehr wie der fortlaufende Narrativ von Wolfgang Tillmans. Tillmans-Ausstellungen sind Anlässe zum Abgleich und zur Rückschau. Sie sind die Resultate des Durcharbeitens von Gegenwart auf persönlicher, privater, öffentlicher, erotischer und politischer Ebene; des Zusammenfügens dieser Ebenen01. Tillmans‘ 2017 ist eine weitere Zäsur dieser Arbeit, die aktuelle Aufnahme dieser Zugangsrichtungen und Interessen. Es ist eine expansive Ausstellung, sie füllt drei Etagen der Tate Modern02. Hier sind fünf Jahre vergangen und zurückgeworfen, in die ganz bestimmte Form einer Installation präpariert, die das Medium des Künstlers Wolfgang Tillmans ist. Die Arbeiten des Fotografen Wolfgang Tillmans finden darin Verwendung, sie werden der architektonischen Anordung unterzogen und der Aufschichtung von Material hinzugefügt.

Das ist der Prozess, und 2017 durch die Hallen an der South Bank zu folgen bedeutet eine Pause der eigenen Bearbeitung der Gegenwart und ihrer nahen Vergangenheit, einen Abgleich und das in Frage stellen der eigenen Gedankenarbeit. Ich verbrachte einen Tag in der Ausstellung und im Untergeschoss des noch einigermaßen neuen Switch Houses, der freie Beton wie eine Leinwand für die Nachbilder der Ausstellung. Die Arbeiten und die Vielzahl der Verweise in 2017 ließen mich überwältigt zurück: Mehr das zu sehen, so vieles das noch zu wissen ist. Mehr noch war es die Einsicht in Material und Prozess, die seit dem als Kritik und Ermutigung mein eigenes Durcharbeiten der Welt und des Lebens begleitet.

2017 ist eine der wichtigen Ausstellungen meiner letzten Jahre. Ich empfehle sie jeder und jedem, der denkt und fühlt: Besucht sie unbedingt! Sie läuft noch bis zum 11. Juni 2017.

  1. Einen Auszug habe ich vor kurzem hier zitiert.↩︎
  2. Dazu ergänzt um die Installationen und Performances unter dem Titel South Tank, die ersten, die in diesem neuen Flügel im Untergeschoss des Switch House stattfinden.↩︎
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