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Tag: Gestaltung

21.02.2010

In a State of constant Flux


Der Winter ist schlecht für die Reaktionsgeschwindigkeit. Und nachdem diese Website recht exoterm ins neue Jahr gekommen ist, folgte darauf bislang nicht viel. Das ärgert mich, wäre aber schlimmer, wenn nicht so viel Schönes in der Warteschlange an die Oberfläche wäre. Es folgt in den nächsten Tagen und Wochen, wenn das Eis schmilzt und die Betonflächen wieder in der Sonne glitzern. Bis dahin schon einmal dieses:

Ich habe ein Plakat beigetragen, für die aktuelle Ausgabe des kleinen, aber schönen Batterie-Magazin. Die Ausgabe 19 erscheint als Loseblattsammlung mit 12 Plakaten im Plotdruck auf dünnem Tonpapier in drei verschiedenen Farben. Das Thema ist Leere/Emptiness. Ich habe die Einladung zum Anlass genommen, mich an meinem aktuellen Lieblingsbegriff Void abzuarbeiten. Das Poster enthält sechs Definitionen des Begriffs von Popkultur bis Astrophysik sowie den folgenden Text.

rely on context rather than relativity, on situated objecticity rather than unicersal objecticity, and on the creation of meaning through play between constructions of informational pattern and reductions to randomness of on-off switches, which are the foundation of digital binary systems.

Entschuldigung, ich konnte nicht anders.

25.12.2009

Eine der drei besten Dinge, die man mit Zeitgenossen anstellen kann: einige davon in einem hinreichend großen Raum versammeln, Kaffee und Wlan bereitstellen, anschließend gemeinsam Nachdenken. Im Idealfall über Relevantes. Eine Veranstaltung genau dieser Sorte steht im Januar in Berlin an. Sie heißt etwas sperrig und will auch so sein: Jean Luc und die Singularität vorm Falschen Fenster.

Dabei handelt sich um einen dreitägigen, öffentlichen Think Tank, der sich mit den Implikationen des Web auf Leben, Arbeiten, Liebe und Politik auseinandersetzt. Die Orgawave ist ein spannender und dynamischer Ort — und angemessenerweise das einzige Planungsdokument. Teilnehmen werden unter anderem Markus Albers, Jan-Michael Kühn und Nilz Bokelberg. Eine Liste der Denkerinnen und Denker gibt es hier.

Jean Luc

Hinter dem Projekt stecken die Macher des Atoms & Bits Festivals, in Person Sebastian Sooth, Martina Pickhardt und Martin Schmidt — letzterer als Kurator und DJ in Personalunion.

Ich wurde freundlicherweise eingeladen, Visuelles beizusteuern, nämlich die Wortmarke und einige beschriftete Dinge, die jetzt in Berlin überall herumliegen oder an Wänden kleben. Zu Jean Luc komme ich natürlich auch.

Jean Luc und die Singularität vorm falschen Fenster. Offener Think Tank vom
8. – 10. Januar 2010 im HAU1, Berlin.

19.12.2009

Aufhören; und wann

Strategien sind ja generell eine gute Idee, wenn man ein Ziel verfolgt, so quer über das Schachbrett oder beim Versuch, das Spiel in den letzten drei Minuten noch zu drehen. Für Leben und Arbeit ist das nicht anders, nur fehlt die Hälfte der Steine, die Schnürsenkel sind offen und das Regelbuch liegt hinter dem Sofa.

Das gilt für Gestaltung, aber auch für sonstige Tätigkeiten zwischen neun am Morgen und vier in der Früh. Wie vieles andere auch bedeutet Gestaltung, aus nichts etwas zu schaffen, das im besten Fall zwar nicht neu, aber from scratch, also von Neuem aufgebaut ist. Man kommt nicht umhin, zwischenzeitlich auch mal zu denken. Wer denkt, hadert. Kontingenz ist zwar eine schöne Sache, aber unerwünscht auf dem Weg zum klaren Ziel. Mit jedem hinterfragten Versuch und jeder verworfenen Option lungert man sich schließlich selbst im Weg herum. Man lauert sich auf, bereit, in den eigenen Rücken zu fallen, auf dem Weg zum guten Ergebnis.

Es braucht Zeit, um zu lernen, Willkür zu akzeptieren.

Die Entscheidung für eine Schriftart und ihren Schnitt lässt sich halbwegs über Referenzen und erlerntes Aushandlungswissen begründen. Die Entwicklung eines Rasters ist eine halbwegs formalisierte Aufgabe. Aber spätestens für dessen inhaltliche Ausgestaltung ist die Komplexität der Optionen zu hoch, als dass sie zu überblicken wäre. Und das Ende des Plans, der Abschluss der Arbeit ist letztlich pure Willkür. Es gibt immer noch eine Linie zu entfernen, ein Element feinzujustieren, eine Richtung auszuprobieren.

Wann Gestaltung aufhört, ist nicht abzusehen. Weitere Strategie, bitte. Sie kann nur darin bestehen, Willkür zu akzeptieren. Die Endgültigkeit der Vorläufigkeit nicht zu verwerfen, sondern zu begrüßen. Man muss sagen: Vorläufiges ist hinreichend fertig. Die Angst an sich selber zu scheitern, ist unbegründet.

Der Mangel ist unsere glänzendste Eigenschaft1.

Das ist alles, was wir zu hoffen wagen dürfen. Und gleichzeitig ist es ein großer Luxus, selber zu bestimmen, wann ein Ding anfängt zu existieren. Ob es überhaupt anfängt. Und wann es wieder aufhört.


  1. Ja, wiederum Ja, Panik
24.11.2009

Shifting/Positions

shifting/positions
Wiederum Gestaltung. Dieses Mal für die Ausstellung shifting positions im Museum Goch. Zu sehen sind interaktive Arbeiten von Franz Erhardt Walther und eine Perfomance des Duos Prinz Gholam. Ich durfte das Ausstellungsdesign beitragen. Neben einem typographischen Dings in Optima Extrablack (hier als Wandsticker im Museum Goch) habe ich Einladungen und Plakate entworfen. Eine große Freude and some nights well spent.

Foto vom Kurator der Ausstellung, Christoph Platz.

19.09.2009

Fertig raus

Over and Out — Einladung
Gestaltung für Kunstveranstaltungen zu machen ist besonders schön. Einerseits herrscht Verständnis für Irritierendes und Interessantes. Andererseits ist die Rolle der Gestaltung immer noch die einer Erfüllungsgehilfin — Kunst beschreien oder mit ihr konkurrieren sollte sie nicht. Aber sie sollte ihr das Wasser reichen, nicht ungelenk durch künstlerisches Terrain stolpern und mit dem Hintern die Geranien umstoßen.

Gestaltung für Kunstveranstaltungen zu machen ist besonders schwer, wenn die Veranstaltung ein hohes Niveau und spannende Inhalte verspricht. Der Fall ist das bei Over and Out, der Ausstellung, die in der vergangenen Woche am Hafen in Münster eröffnet wurde. Dabei sind unter anderem der bereits genannte Sebastian Freytag und Lars Breuer vom Kosortium D. Dem Titel entsprechend zieht Over and Out ein Kreuz zwischen der einen Hafenseite (der schmutzigen, schönen) zur anderen Hafenseite (der bereinigten, ganz okayen) bis rüber zum denkmalgeschützten Bürogebäude in der Herwarthstraße.

Ich habe mich bemüht, mit den Plakaten und Einladungskarten die metaphorischen Geranien stehen zu lassen. Over and Out hat sauberes Parkett verdient. Wer bis Mitte November in Münster zu tun hat, sollte diese Ausstellung besuchen. Weitere Informationen gibt es bei der AzKM.

09.08.2009

Nur Dinge aufzählen die man mag, das ist langweilig und gilt nicht; außerdem gibt es für soetwas inzwischen Tumblelogs. Dennoch, es ist Sonntag, da darf man sich auch mal auf den puren Verweis beschränken. In diesem Fall auf die Arbeiten von Sebastian Freytag.

Seine Installationen und Gemälde bewegen sich entlang der Grenze zwischen minimaler Kunst und Grafikdesign. Arbeiten wie Villa oder Error würden als Funktionskunst im Rahmen einer Unternehmensidentität ebenso funktionieren wie sie es als freie Anwendungen von Typografie tun. Error

Sebastian Freytag ist Teil des Düsseldorfer Künstlerkollektivs Konsortium D. Im September wird er als Teil einer Gruppenausstellung der AZKM in Münster zu sehen sein. Bis dahin lohnt sich ein halbe Stunde Sonntagszeit für die ausgiebige Begutachtung seiner bisherigen Projekte. Und jetzt zurück in die Sonne.