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Tag: Web

15.06.2010

Ramon Haindl

Die Geschichte vom Web und dem gegenseitigen Zusehen, der stetigen Begeisterung über unfassbar richtige Perspektiven anderer, sie wurde zu häufig erzählt, um noch originell zu sein. Eine meiner Geschichten, dieser Sorte ist Ramon Haindl. Über die Tapes1 und die Ästhetik von We are Gosh war es ein kurzer Weg zu dem, was er in erster Linie macht: Fotografie. Seine Bilder verbinden einen harschen, matter-of-fact-Stil mit Nähe und Wärme. Es tut weh, und dann möchte man mehr.

Ramon hat heute sein Portfolio veröffentlicht. portfolio.ramonhaindl.com zeigt Kommerzielles, persönliche Fotografie und Editorial-Arbeiten. Alles davon ist unbedingt sehenswert, ebenso das assoziierte Journal. Aus letzterem stammt das Bild zu diesem Eintrag. Es wurde in Tell Mum Everything Is Okay N°3 veröffentlicht und gehört zu den spannendsten, die ich in diesem Jahr gesehen habe. Bitte beachten.


  1. Ich höre das düstere D’Arc-Tape immer noch. Seit zwei Jahren. Es wird nicht schlechter. 
09.06.2010

Gestern hatte ich die Freude, auf Einladung von up.front einen kurzen Vortrag über die Rolle von Rastersystemen bei der Gestaltung für das Web zu halten. Nach einigen Worten über Müller-Brockmann und einem Tiefschlag gegen die Neunziger (Haha, der doofe Carson) habe ich bunte Bilder gezeigt und kurz angerissen, was ein Gestaltungsraster im Web leisten kann. Ich behaupte: Hierarchie, Balance, Flow und Spannung. Geschlossen habe ich mit einigen, vollkommen aus der Luft gegriffenen Gedanken zur Bedeutung des Rasters im kreativen Prozess.

Die Slides meiner Präsentation gibt es hier als PDF-Download: Have no fear of perfection — Grid systems in web design.

Diskussionen, Feedback und Materialien aller Talks gibt es in unserer Google Group. Falls ihr etwas mit dem Web, Frontend-Code oder digitaler Gestaltung zu tun habt: schaut vorbei, schlagt Themen vor, setzt euch aufs blaue Sofa. Die nächste Session gibt es in vier Wochen, im Co.Up, Kreuzberg.

25.05.2010

Mein Herz für Blogs (#2)

Das Schöne am Web ist ja, dass man nicht immer alles selber machen muss. Dezentralität erhält gute Ideen am Leben; es findet sich immer jemand, der das Package verwaltet, die Gruppe weitermoderiert, die Serverkosten zahlt. In diesem Fall hat es gereicht, dass Marcel an die Stylespion-Aktion Ein Herz für Blogs gedacht hat. Ich begrüße die Aufmerksamkeit für das schöne, entschleunigte Format Weblog.

Ich lege wärmstens an ihr Herz:

  • erleben — Anika schreibt seit einigen Monaten leise und eindringlich über Kunst, Musik und Gegenwart. Man sollte sie lesen, für die Auswahl ihrer Themen, für ihre sachlichen und doch nahen Worte zum Stand der Dinge.
  • Lass uns scheitern — Verfolgen sie ein Experiment von Jens Nikolaus. Ein persönliches Themenblog zu dem zentralen Thema der in die Permanenz verlängerten Moderne: dem Scheitern, dem Versagen, der Kapitulation.
  • Fashion Bits and Bobs — Pascal Grob muss man eigentlich nicht mehr empfehlen, aber Fashion Bits and Bobs ist eines dieser ganz wenigen Blogs über Männermode, die man mit Gewinn liest. Weil es die Balance hält, zwischen Inszenierung, Ausblick und Einordnung. Bitte berücksichtigen sie auch: Visual Diary of Pascal Grob.

Technische Nachbemerkung: Als ich kurz fünf Minuten nachgedacht habe, über gute und frische Weblogs und welche zu empfehlen wären, ist mir aufgefallen, wie sehr Tumblr zur zeitgemäßen Engine des Schreibens im Web geworden ist. Kaum ein neues Blogprojekt ohne halbtransparente + Follow-Overlays. Tumblr ist der Quasi-Standard für inhaltsbezogene Weblogs, Moodboards und vergleichbare Publikationsformen. Besser dieser als ein anderer.

16.05.2010

Ausnahmsweise: Pragmatismus

Die Diskussion über Flash und HTML5, über CSS3 und Frameworks muss geführt werden. Sie ist interessant, unterhaltsam und relevant. Dennoch — ich halte mich auch bei diesem Thema lieber an den Nebenschauplätzen auf. Weil es mich mehr kümmert, was nun anzufangen ist, mit den schönen neuen Werkzeugen. Welche Auswirkungen das vorhandene Set von Tools für Grafikdesign und Nutzerführung im Web hat. Ausnahmsweise also einmal: Pragmatismus.

Schönstes Beispiel, das gerade die Gestalterschulhofrunde macht, ist die neue Website des Inventory Magazine, einer wunderbar gestalteten Publikation über hochwertiges Alltagsequipment. inventorymagazine.com tut genau das Richtige — statt den Look der Zeitschrift für das Web zu kopieren (und dabei an Nutzbarkeit und Stringenz zu scheitern, wie die vorige, Flash-basierte Website), übersetzt sie das Editorial Design in ein anderes Medium.

Bemerkenswert ist besonders die Updates-Sektion, die dank simpel realisierter Variationen innerhalb des Rasters eine Wertigkeit der Gestaltung erreicht, die sich wohltuend von all den Kaugumminterfaces abhebt. Und dazu genügen der flexible Umgang mit Bildformaten, ein wenig Detailtypografie mit Verstand (Marginalien/Bildzeilen) und Spannung im Layout. Man sollte mehr über diese Dinge sprechen. Ein CSS3-Multicolumn wird genau dann interessant, wenn es ein konkretes Gestaltungsproblem löst. Tools follow form follow function, bitteschön.

Oder eben immer wieder, bis es schmerzt: Less but better.

11.04.2010

Absichtserklärung: OFFF & re:publica

Entgegen meiner Gewohnheit werde ich in diesem Jahr zwei mal das Konferenzparkett betreten. In der nächsten Woche lädt die vom Familientreffen zum Festival samt Tagsthemenbeitrag angeschwollene re:publica alles und jeden nach Berlin. Menschen, die das Web vollschreiben, solche, die an Frameworks und Libraries bauen und auch einige, die seine Oberflächen bestimmen. Wie im letzten Jahr werde ich anwesend sein, mich über Gesichter zu den Pseudonymen freuen und ansonsten mal sehen, wie sich die Sache mit der Selbstreferenzialität entwickelt hat. Insgeheim hoffe ich auf ähnlich Brillantes wie den Beitrag von Peter Glaser im vergangenen Jahr.

Einige Wochen später warten dann Paris und die OFFF mit einem stärker visuell orientierten Programm auf Alex, Claudine, Fabian, mich und etwa zehntausend andere. Neben der Woche in Paris an sich freue ich mich besonders auf zwei meiner Helden (Non Format) und die Gang von Universal Everything.

Für beide Veranstaltungen gilt selbstverständlich auf allen Fluren und Panels die alte Konferenzetikette des gegenseitigen Heey, bistdunicht?/Jawhoacoolfreutmich! Ich freu’ mich schon jetzt auf High Fives und geteilte Club Mate.

16.03.2010

Bespin

Die eigene Lieblingswebapplikation ist kein Thema für das man auf Partys zwischen Hamburg und München mit Sondersexynesspunkten rechnen darf. Aber da das hier glücklicherweise immer noch keine Party ist, sondern ein karges Schreibzimmer, setze ich mich kurz damit auseinander. Die Kurve zum alten Popkulturgestöhne bekomme ich dann bestimmt gen Ende des Textes wieder. Also.

In den vergangenen zwei Jahren war Dopplr meine liebste Applikation — weil sie so eine schöne Oberfläche hat und einen angenehmen mittleren Grad der Sinnhaftigkeit aufweist. In diesem Jahr hat ihr Soundcloud vollends den Rang abgelaufen. Ausnahmsweise nicht aus formalen Gründen, sondern weil Soundcloud den Umgang und Zugang zu Musik signifikant verändert.

Das hat zum einen mit der Mechanik der Plattform zu tun. Soundcloud ist kein Ort der Selbstrepräsentation für Künstler und Labels (wie es damals MySpace war), jedenfalls sofern sie über die Musik und ihre Diskussion hinausreicht. Die wichtigsten visuellen Elemente der Seite sind folgerichtig die überdimensionierten Waveforms aller Tracks und Soundfiles. Das hier ist zum anhören, nicht zum ansehen.

Die Freude an Soundcloud liegt darum auch nicht in der Bedienung, sondern im konstanten Strom wunderbarer Musik, die jeden Tag im Dashboard auftaucht — vorausgesetzt man folgt einigen geeigneten (~ geschmackssicheren) Mitgliedern. Dank des Following-Prinzips handelt es sich dabei nicht nur um Uploads, sondern auch um eine Menge Favourites und Kommentare. Diese starke Gewichtung persönlicher Vorlieben ist eine schöne Sache und eine wohltuende Alternative zur Abhängigkeit vom Most-Popular-Unsinn, wie er sonst nahezu überall Usus ist. I’m looking your way, Flickr, Tumblr and YouTube.

Um das alles zu belegen und zumindest ein Quäntchen Nutzerwert in diesen Text zu schummeln: flugs einige Schönheiten aus der Cloud:

  • Rave Club Köln, 1989 (Link)
    Ein House/HipHop/Detroit-Set von Claus Bachor aus dem Rave Club in Köln von 1989, aka der Zeit als Subkultur noch ein Singular war. Bei Weitem nicht nur aus archivarischen Gründen interessant.
  • Ja, Panik — Paris (Link)
    Zu Ja, Panik, der wichtigsten Gitarrenband der letzten zwei Jahre, muss man nichts mehr sagen. Ihr Hans-Unstern-Cover Paris gab es zuerst bei Soundcloud (inzwischen auch als 7″ bei Hanseplatte).
  • Jose James — Blackmagic (Joy Orbison Recreation) (Link)
    Joy Orbison ist all over the place, nach wie vor. Und eben auch bei Soundcloud. Unbedingt mit Kopfhörern hören, ohne die ganz tiefen Basslines ist es nur der halbe Spaß.
  • Pantha du Prince — Stick to my Side (Four Tet Version) (Link)
    Wenn der Urheber der einen besten Platte des halben Jahres (Kieran Hebden/Four Tet) einen der besten Tracks der anderen besten Platte des halben Jahres (Black Noise) remixed, kann das nur funktionieren. Tut es auch.
  • Move D (Link)
    Das Soundcloud-Profil von Move D ist mehr als sein großer Name. Sondern eine kleine Sammlung sehr guter Sets des letzten Jahres.
  • Christian Löffler — A Hundred Lights (Link)
    Christians Name gehört auf jede gute Setlist; zum Beispiel in Form dieses wunderbaren Tracks. Auf seinem Soundcloud-Profil gibt es außerdem seine letzten beiden EPs (Heights und Raise) vollständig zu hören. Außerdem lohnenswert: Der Blick in seine Faves.

Für ergänzende Hinweise und haltlose Kritik zu und an dieser Liste bin ich euch jetzt schon dankbar. Mehr Solches und ganz Anderes gibt es übrigens bei meinen Favourites. Zu meinen bescheidenen eigenen Musiksachen (wie das Rainfall-Tape und hoffentlich bald noch mehr) bitte hier entlang: soundcloud.com/electricgecko.