Eccentric Grey
Meine Obsessionen sind zumeist Obsessionen der Perspektive, Begeisterungen für eine eine Art die Welt zu sehen und zu beschreiben, und sie damit zu erzeugen. Es geht also stets um Text im erweiterten Sinne des Begriffs: Text als Artefakt und mittelbare Folge der Wahrnehmung. Häufig tatsächlich Text mit Griff und Oberflächen, die beim Lesen Reibung erzeugen. Auch Dinge, Kleidung und absichtsvolle Objekte, die einen eigensinnigen Zuschnitt der sie umgebenden Welt fordern. Texte in diesem Sinne sind Zuwege und Vektoren, bei näherer Betrachtung also keine Dinge, sondern Tatsachen1.
In einem aktuellen Fall sind es drei Ebenen, die sich zur Obsession fügen: (1) Die Qualität der Fertigung brauchbarer Kleidungsstücke, wie sie seit vielen Jahrzehnten nur für Luxuswaren noch verfügbar ist. Diese Dinge sind nicht in erster linie Dinge, sondern Referenzen dafür, wie Dinge sein sollten. Sie sind zuende gedacht und zuende gemacht, ohne ökonomisierende Abkürzung. (2) Ebenso ist es die sorgsame Wahl vergangener Archetypen, und die Aufrichtigkeit und Überzeugung, mit der sie nun hier als brauchbar für ein progessives Leben vorgeschlagen werden. (3) Schließlich ist es das Entfernen einiger entscheidender Details, um reflexhafte Zuordnungen zu erschweren. Es ist das Entfernen von Kontextrückständen, und Überführung in eine aufs Neue zu besetzende Semiotik.
Zusammengenommen treiben diese Ebenen einen Keil zwischen die unbesprochene Übereinkunft über die Beschaffenheit der Welt, bringen einen interessanten Zweifel hervor, hinterlassen eine flimmernde Schnittkante im Dieseits des Diskurses, die bis zu seinem Jenseits reicht. Meine Obsession reicht bis an diese Welt heran, berührt sie nicht.
1.1 Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge. ↩︎