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Texte über Musik, Raum, Gestaltung und Kunst. Fotos.

http://electricgecko.de/tag/Netz

Alle Texte zum Thema Netz.
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Puff of white vape, like a winter locomotive in an old movie. „Sorry. I know it’s weird. That’s part of why I keep thinking it’s not real. What’s the other part?“

„You’re fucking impossible, as far as I know. Too advanced. Too slick. Or maybe the opposite of slick? Too organic?“

„Organic’s for tea“, Eunice said. „Tulpagenics. Google tulpa, I get Tibetan occult thoughtforms. Or I get people on the Internet who’ve invented their own imaginary friends.“

„I know. I did too.“

„I don’t feel Tibetan,“ Eunice said. „Or invented.“

  • Bill Gibson – Conversation in Dolores Park, late November, evening. Veröffentlicht als fotografiertes Manuskript, April 2016.
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M A R K

https://electricgecko.de/2016/mark

Ich hege eine ausgeprägte Zuneigung für die Kombination aus Demut und Anmaßung. Sich den Dingen ohne Angst vor dem Scheitern zu nähern, wider besseren Wissens vorauszusetzen, die eigene Art und Weise zu handeln sei valide. Ein bisschen entspricht diese Haltung dem Konzept von 初心, also der Offenheit für Fehler und dem Ebnen eines eigenen Weges, so mangelhaft und erfolglos er von außen erscheinen mag. Es ist eine Strategie, die Handlungsfähigkeit herstellt. Das ist keine leichte Aufgabe unter den Bedingungen dieser Tage.

Dieses Konzept ist nicht neu und tritt immer wieder dann zu Tage, wenn neue Werkzeuge zur Verfügung stehen, die für einen Augenblick lang außerhalb reglementierter Räume ausprobiert werden. Software hatte diesen Moment, und ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern. Computerprogramme waren etwas privates, selber herzustellendes.

Das ist lange her. Aber ich bin überzeugt, dass es seinen Teil zum eingangs Gesagten beigetragen hat. Die Tatsache, dass diese Website weiterhin existiert, mag eine Ausprägung meines Wunsches nach eigensinnigen Lösungen sein01. Letztlich verdanke ich es Devine Lu Linvega02, diesen Gedanken in diesem Jahr ein wenig in die Tat umgesetzt zu haben: Ich habe mir meine eigene Software zum speichern, sortieren und archivieren guter Bilder geschrieben.

Das Programm heißt M A R K. Es besteht aus einigen Front- und Backend-Komponenten in PHP und JavaScript, die sich auf den gängigen virtuellen Hosts installieren lassen. M A R K entspricht Kriterien, die ich in dieser Kombination in keiner existierenden Lösung gefunden habe:

  • M A R K stellt einen chronologischen Stream aller Inhalte dar – und damit ihre Ähnlichkeiten, Unterschiede und die Entwicklung meiner ästhetischen Vorlieben. Thematische Ordner gibt es zusätzlich.
  • Bilder werden nicht in einer Datenbank gespeichert, sondern in sinnvoll benannten Ordnern im Dateisystem des Servers organisiert. Die Benennung der Dateien ist chronologisch. Auf diese Weise bleiben Ordner unabhängig vom Programm und behalten ihre Ordnung – auch außerhalb von M A R K.
  • Die Größe der Bilder lässt sich über die Tasten + und – anpassen. Das ist entscheidend, um M A R K gleichermaßen als Moodboard wie als Bilderpool verwenden zu können.
  • Bilder lassen sich über ein Bookmarklet und durch Drag & Drop hinzufügen.

Eine ausführlichere Darstellung meiner Überlegungen habe ich in der Readme aufgeschrieben.

Es hat mir in diesem Jahr große Freude bereitet, an M A R K zu arbeiten und das Programm zu verwenden. Es entspricht meinen Vorlieben und Interessen. Es ist fehlerbehaftet und stets in Arbeit. Es ist diese Kombination, aus der ich viel gelernt habe. Adaptability, decentralisation, resilience, fun: D.I.Y. ist eine zeitgemäße Strategie.

  1. Oder, wie Ktinka in ihrem Aufruf zu #gobacktoblogging in diesem Jahr so treffend schrieb: the reach of your blog will be way smaller. However to a great extend it will be yours.↩︎
  2. Devine ist vermutlich die Person, die den Weg der eigenen Lösung konsequent und am schönsten geht. Sein Universum an Darstellungsformen, Gestaltung und Programmen ist inspirierend wie wenig anderes. Case in point im Kontext dieses Textes: Ronin, eine idiosynkratische Bildbearbeitungssoftware, die notwendig wurde nachdem eines von Devines Notebooks auf hoher See kaputt ging. True Story.↩︎
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We haved arrived at the vernacular. The digital is transitioning into its period of unconscious usage. It has been taken from the hands of the makers and designers and set free to the space of unconsidered creation, consumption, enjoyment, use, abuse and trashing. The digital will be transformed into the dark gooey layer sticking to the tarmac of metropolises. Its transmitters are already accumulating the layers of spent semiotics that signify communicative environments with high density.

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whiskie.net

https://electricgecko.de/2012/whiskie

Die Idee, Musikdateien auf Devices abzuspeichern, ist zunehmend albern geworden. Die wenigen Veröffentlichungen, die Permanenz verdienen, verdienen auch das ultimative Archivformat: Sie sollten als Schallplatte im Regal stehen. Für den großen Rest ist das Web der einzige sinnvolle Ort: Backkataloge, Sets und der eine Track, der es genau jetzt sein muss, lassen sich jederzeit streamen. Mit neuer Musik verhält es sich ebenso – es mangelt nicht an Kanälen (Soundcloud, Hype Machine) und Mechaniken (Following-Prinzip, Bandcamp), um über Releases und Künstler auf dem Laufenden zu bleiben.

Was fehlt, ist ein sinnvolles Interface, um diese Kanäle und Mechaniken zu aggregieren und sie nutzbar zu machen – to foster serendipity, sozusagen. ex.fm ist so ein Interface, allerdings mit dem großen Nachteil, dass es gleichzeitig overengineered und buggy ist.

Glücklicherweise habe ich Freunde, die viel bessere Dinge bauen können. Alex launchte gestern eine kleine App namens Whiskie – ein Musik-Frontend für Tumblr, das an Snappiness und Praktikabilität nicht zu überbieten ist: Es filtert Audiotracks aus den Massen von Neunzigercollagen, Katzengifs und Betonfotos, stellt sie zu Playlisten zusammen und macht sie teilbar. Wie zum Beispiel die großartige Sammlung kalter Wavetracks von Betonbabe. On Repeat.

Ich benutze Whiskie seit einigen Wochen – und es hat für mich Tumblr zu einem Ort für Musik gemacht. Es wird das auch für euch tun. Sprecht mit Alex – er freut sich über überbordendes Lob, Feedback und Feature-Requests.

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Every Map tells a Story

https://electricgecko.de/2011/mapalong

Seitdem sich die Idee des Startups vollständig als sinnvoller Modus Operandi für die Entwicklung digitaler Produkte und/oder die Schaffung sinnvoller Arbeitsbedingungen durchgesetzt hat, gibt es eine nachwachsende Menge Notify me!-Buttons zu klicken und Twitter-Accounts zu folgen. Das ist grundsätzlich begrüßen, allerdings sollte man mit solcherlei Commitment sparsam umgehen – es gibt so viel Langweiliges und noch mehr Unnötiges.

Hin und wieder lohnt sich das Interesse hingegen sehr. Hätte ich mich in den vergangenen beiden Jahren bei nur einer neuen Applikation anmelden dürfen – meine Wahl wäre auf Mapalong gefallen. Mapalong ist, was Google Maps (sinnvollerweise) fehlt – eine Infrastruktur, mit der sich Orte und Wege zu persönlichen Geschichten verbinden lassen. Wer schon einmal irgendwas erlebt hat (Besuch einer anderen Stadt, Fahrradtour, Essen gehen), weiß, dass das eine richtige Herangehensweise ist.

Bei Mapalong handelt es sich um das Seitenprojekt von Analog, was die Qualität des Interfaces erklärt. Momentan befindet sich die App in der geschlossenen Beta-Phase, ist aber hinsichtlich Gestaltung, Responsiveness und Funktionsumfang bereits jetzt unglaublich gut. Spätestens mit einer fertigen mobilen Version wird Mapalong der Ort für persönliche, ortsbezogene Informationen werden – und vielleicht ein bisschen das, was Dopplr nicht geworden ist.

Ich möchte gern, dass wir uns alle dort anmelden. Unsere Reisen werden schöner und die Geschichten zahlreicher werden. Mein Profil bei Mapalong ist via mapalong.com/electricgecko erreichbar.

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