electricgecko.de

Nichts Kluges und Richtiges kann mehr gesagt werden, weil die massenhafte Gedankenlosigkeit Sprache zerstört und jedes Thema entweiht. Die Kriterien des Banalen: richtig und falsch oder gut und schlecht – niemals anschlussfähig oder nicht. Zu große Aufmerksamkeit gilt dem Versuch, sich betroffen, mitgemeint und wohl zu fühlen, im Umgang mit jeder Tyrannei und jedem Unheil.

Brauchbare Aussagen folgen der inneren Welt ihrer Autorin, sie finden eine eigene Sprache und neuen Gebrauch für Worte. Nur sie haben die Chance, verständlich und folgenreich zu sein. Niedergang des Denkens, wir müssen in den Untergrund, Seele aufgerauht.

Vibe (with sth.)

Interestingly, the contemporary focus on mood and vibe implies a certain speechlessness, or lack of articulation. The refusal of putting a context, a thing into words is the refusal to dissect it, which is the refusal to thoroughly understand it. Accepting a mood in this way (that is, to vibe with it) reflects the desire to interact with its context without letting it permeate one’s perceptive being. Vibing with (instead of understanding) situations is easier and requires less cognitive ressources – perception is delegated to layers closer to the biological firmware. Despite its emotional entanglement, it seems to allow more wide-ranging acceptance of varying contexts and – presumeably – easier engaging and diengaging with both aesthetic and social situations. It is, probably, adequate adaptive cognitive behaviour.

Web Design as architecture

Schreiben ist Gestaltung, Schreiben ist ästhetisches Handeln. „Ich betrachte die Methode mit viel mehr Zuneigung als die Ergebnisse“, wie Paul Valéry sagt, und ich stimme zu. Es ist schwer zu leugnen zumal in dieser Publikation. Ich glaube an die Chance, etwas auf Weisen zu sagen, bei denen der Tonfall einen Unterschied macht: Text als Perspektive. Text im weiten Sinne, Text dessen formale Beschaffenheit wesentlicher Grund für Wahrnehmung und Innehalten ist. Poetisches Theoretisieren, zu einem gewissen Grad.

Web Design as architecture ist ein solcher Text. Es ist ein Vorschlag für eine einfache, aber interessante, holistische Perspektive auf die Gestaltung von Websites. Er geht zurück auf meine Unzufriedenheit mit dem Diskurs über digitale Gestaltung. Webdesign als Architektur zu denken, hilft mir zu verstehen, was Gestaltung in diesem Zusammenhang bedeuten kann – und dabei, dieser Disziplin ästhetisch und gesellschaftlich verantwortungsvoll nachzugehen. Es ist der Kern dessen, was wir bei WAF GMBH versuchen.

Ich habe aus diesem Vorschlag eine sehr einfache Website (http://www–arc.com) und einen deutlich komplexeren Are.na-Channel1 gemacht. Beide stießen auf eine gewisse Aufmerksamkeit. Auf Einladung von Grafill2, der norwegischen Assoziation für Grafikdesign habe auf dieser Grundlage einen etwas kohärenteren und weiter führenden Vortrag geschrieben, den ich im Mai in Oslo halten durfte.

Web Design as architecture, Promotional Visual

Mein Versuch, eine gleichermaßen programmatische wie pragmatische Argumentation für Web Design as architecture vorzuschlagen, hat zumindest meinem Verständnis dieser Idee gedient.

Grafill waren wundervolle Gastgeberinnen und Gastgeber, die Gespräche nach dem Vortrag und nicht zuletzt ein Besuch bei Snøhetta wirken bis heute nach. Auch aus den Gesprächen in Oslo heraus versuche ich, meine Gedanken bei Are.na weiterzuführen. Es gibt eine Literaturliste, und diverse weitere Dinge, die ästhetisch und theoretisch von Bedeutung sind3, in idealen Fällen beides in gleichem Maße.

Ich möchte die Perspektive Web Design as architecture weiter denken, die zugehörige Website weiter entwickeln und eine ausgearbeitete Form des Vortrags für die kommende Konferenzsaison vorbereiten. Hinweise für passende Kontexte nehme ich gern – ebenso wie Diskurs, Kritik und Input. Are.na ist die geeignete Plattform für all dieses.

  1. Weiterhin meine liebste digitale Plattform für einige der spannenderen Anwendungen des Internets, ich habe das im vergangenen Jahr aufgeschrieben↩︎
  2. Diese Einladung bedeutet mir viel – ich verfolge Grafill und das angeschlossenne Visuelt-Festival seit vielen Jahren; im Grunde seit Non-Format als Protagonisten und Gestalter diese Plattformen maßgeblich geprägt haben. Non-Format haben mir viel über Grafikdesign beigebracht, nicht zuletzt hinsichtlich der Verhältnisse von Raum und Masse in visueller Gestaltung. Full Circle. ↩︎
  3. Beispielsweise: referenzierte Websites, referenzierte Bauwerke und bessere, kompaktere Formulierungen als solche, zu denen ich fähig bin. ↩︎

Es fehlt ein Verb für die Tätigkeit, die im Halb-Zustand zwischen Programmierung und Gestaltung stattfindet. Es ist beständiges Tasten auf der Suche nach einem angemessenen Gefühl für ein bestimmtes Interface, nach der korrekten Balance aus Physik und Assoziation. Teils ist es Konstruieren, teils räumliches Entwerfen, teils händisches Formen des Materials. In dieser Tätigkeit geht es langsam voran, aber Konstruktion, Gestaltung und inhaltlicher Ausdruck entwickeln sich zugleich, die falsche Trennung der Disziplinen außer acht lassend.

Your Future Selves

Ghostly International hat sich schon immer wie ein Resultat des Internet angefühlt, des frühen, eigensinnigen Internets. Eines Ökosystems, das ein Label wie dieses ermöglicht hat – weniger basierend auf dem Einverständnis über ein Genre als auf einem neuen, diffusen Gefühl von Gemeinschaft. Transcending its record label roots to sell an ethos, wie die Times einmal schrieb, and an emotional state of upbeat world-weariness, möchte man hinzufügen.

Es gab stets eine Gleichberechtigung zwischen Releases, den Artworks (und tatsächlich, Desktop-Hintergründen) von Michael Cina, der bisweilen arg verstolperten Floormusik auf Spectral, den Stickern und all dem Material drumherum. Seit den mittleren Zweitausendern ist Ghostly Quelle einer spezifischen Art von Moodyness, eine Welt, in der nichts okay, aber das unmittelbare Hier und Jetzt erträglich ist, voller verwaschener Beats und im Sommergegenlicht verebbender Reverbs.

Für mich hat es immer eine spezifische Stimmung gebraucht, um derartige Wärme aushalten zu können. Aber im richtigen Licht, in der richtigen Situation kann eigentlich nur ein Ghostly-Release gehört werden1.

Ihre größte Konzentration fand diese Stimmung für mich stets in den seltenen Releases von Heathered Pearls2. Stark texturierte, maximal warme, weiche und tiefe Musik ist das, wie Schlaf am Strand, und nicht ohne dessen Düsternis der Natur und des fern drohenden Wetterumschwungs.

Ich werde mir den Sommer dieses Jahres schwer ohne den Amerikas Cities Remix von Under the Bridge vorstellen können. Weil dieser Track gleichsam zu Hause war, in all der Sonne und all der Dunkelheit dieses Sommers, in den Versuchen, neue Lösungen für die gleichen Probleme zu finden. Am 10. September notierte ich in einem Wagon der Hanzōmon-Line:

Fort Romeau’s Remix of Under the Bridge by Heathered Pearls may well be the track of this year, a requirement of the here and now. Its continuous media-sampled stream of consciousness encompasses everything to be depressed about, its pure expansive, sprawling, mellow softness describes everything to be hopeful for. In its very fabric, this track encompasses the hope, power and promise of music. To find and connect every person able and willing to perceive, to think and to feel.
  1. Früher, sehr häufig: die opulente 2×12″-Edition von Glider, von The Sight Below. ↩︎
  2. Also Jakub Alexander, der als Musikautor bei Iso50 (das erfreulicherweise weiterhin existiert und weiterhin aussieht wie in 2007), für den Teil meiner Musiksozialisation verantwortlich ist, die abseits von Wavegitarren und der in Hamburg vorgefundenen Floormusik stattfand. ↩︎
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