electricgecko

Mai

Schreiben ist Gestalten. Je länger ich beides betreibe, desto weniger verstehe ich es, zwischen diesen beiden Tätigkeiten zu unterscheiden. Mir erscheint es sinnlos, eine Idee oder einen ästhetischen Vorschlag entweder visuell oder durch Sprache zu formulieren. Der Begriff Programmieren ist geeignet, um die Einheit von Gestaltung (als planvolles Arrangieren) und Text-Schreiben auszudrücken. Wenig zufälligerweise hat sich die Gestaltung von digitalen Dingen vom Grafikdesign gelöst und sich dem Produktdesign oder der Architektur genähert: Prototyping, Iteration, Gestaltung mit/im Code.

To program means to write something into existence.

In den letzten Monaten habe ich ein Programm geschrieben, um damit wiederum Texte schreiben zu können. In einem Anflug von Albernheit und überspannter Lust am personal Branding nannte ich dieses Programm DRKWRTR – in Verweis auf seine utilitaristische Ästhetik und Featurearmut. Beide Eigenschaften sind zu gleichen Teilen einem Mangel an Fähigkeiten und dem Drang zur Ästhetisierung geschuldet. DRKWRTR ist eine spartanische Umgebung für das Schreiben von Texten – das entspricht meinen Kriterien, um mich beim Schreiben wohlzufühlen. Im Einzelnen:

  • Ein invertiertes Farbschema: Helle Schrift auf dunklem Grund. Es erzeugt weniger Licht und verbraucht weniger Energie.
  • Eine funktionale, schöne und gleichsam ausdruckslose Schrift: Die Atlas Typewriter Light – sofern sie lokal installiert ist. Die Fallbacks sind Menlo, Monaco und Courier Prime.
  • Ein auf Shortcuts basierendes Interface, um die Hände nicht von der Tastatur nehmen zu müssen.
  • Markdown-Support und HTML-Export.

Wie so häufig hat der Versuch, ein limitiertes Featureset umzusetzen, zu einem anderen Ergebnis geführt, als ursprünglich beabsichtigt war. DRKWRTR ist ein eigensinniges Programm mit eigensinnigen Trade-Offs. Es ist ein simples Werkzeug zum Schreiben, wie ich es mir vorstelle, a writing environment for slaves in a brutalist spaceship1, aber sicherlich alles andere als flexibel einsetzbare oder gar sinnvolle Software.

DRKWRTR ist Open Source und basiert auf jQuery, Markitup und einigen anderen frei verfügbaren Javascript-Bibliotheken. Der Quelltext liegt bei GitHub. Ich freue mich über Kritik, Meinungen und Bugreports. Aus diesem Grund bin ich Alex sehr dankbar – für seine Hilfe und einige sehr gute Hinweise. Ich habe großes Interesse, aus DRKWRTR eine Offline-First-Applikation in seinem Sinne zu machen2. Mehr über das Programm steht in einer Datei namens Readme.md, auf drkwrtr.co/about und im User Manual, das beim ersten Öffnen angezeigt wird.

Schließlich: Seit dem vergangen Herbst schrieb ich die Einträge dieser Seite mit verschiedenen rudimentären Versionen von DRKWTR. Es freut mich sehr, dass ich diesen Text nun in einer Umgebung schreiben kann, die trotz und wegen ihrer beschränkten Möglichkeiten und vielen Mängel meiner Art zu denken, zu schreiben und zu gestalten entspricht. Without further ado:

http://drkwtr.co

CNCRT


  1. Um diese schöne Formulierung ästhetischer und ethischer Ideale unverändert zu stehlen. C.F. ↩︎

  2. Weil es DRKWRTR auf Mobiltelefonen zu einem wesentlich sinnvolleren Programm machen würde. Momentan ist es ohne Webzugriff nicht verwendbar. ↩︎

März

Im Westen, 2015. Foto von Gilbert Bachour.

Januar

Der Gedanke einer alternden Website ist nach wie vor ungewohnt; die Laufzeit hinterlässt keine Spuren in den Oberflächen, keine Patina, die auf das schon lang Vorhandene hinweist. Das Digitale entspricht dem Wandel, es füllt die gegenwärtige Form und war anschließend schon immer so.

Ich habe diese Website neu gestaltet. Ein weiterer Wechsel des Aggregatszustands ihrer Inhalte. Hoffentlich eine Komprimierung der Ideen, die ich verfolge (wohin?), idealweise eine Fortsetzung der vorigen fünf Versionen. Ich habe weitere Dinge entfernt, um dem Format der Loseblattsammlung näher zu kommen. Weniger Kontext, mehr Aufmerksamkeit für die einzige relevante Frage: Wie interessant ist die Geschichte?. Alles Weitere ist gutes Interaktionsdesign für eine simple Aufgabe und mein fortlaufender Versuch, eine eigene Sprache zu finden, für alles und in allem.

Oktober

Somewhere else

August

Der Reiz der fotografischen Auseinandersetzung mit einem Ort, einem Ereignis, einem Ding ist ihre Direktheit (nicht etwa die Unmittelbarkeit!). Sie ist die Grundlage des iconoclastic Turn und dem, was danach kam. Live-Selbstverortung, Live-Kontextualisierung und der Semiotisierung des Bildes: Ich nehme wahr und beweise damit, dass ich XYZ kenne/besitze/verstehe/zu fühlen in der Lage bin.

Das ist alles prima, und ich wäre ein schlechter Vertreter meiner Arbeit, würde ich nicht daran glauben und teilnehmen. Für meine Reise nach Japan hatte ich das Bedürfnis nach einem weiteren Kanal dieser Art. Allein: es gibt so viele, und sie ähneln sich.

Etwas weniger Direktheit wäre schön. Ein Medium, das ich schlechter kontrollieren kann, das weniger zur Semiotisierung taugt, etwas, das oszilliert. Mit meinem Flug gen Osten beginne ich also einen Kanal namens Calabi-Yau.

Calabi-Yau

Calabi-Yau is a sonic journal. It documents my journey to Japan (at the age of thirty) through a series of field recordings. Each point in spacetime radiates its own complicated topology.

Der letzte Satz ist der entscheidende. Mich interessiert die Zuordnung von Sounds zu Orten1 (darum der Name), und zwar eher solchen der individuellen Psychogeografie als solchen, die mit Gradzahlen und Datumsangaben zu bestimmen sind. Keine Motive, nur Staub und Rauschen.


  1. Eigentlich der Raumzeit, aber das liest sich schlecht. Zum Thema siehe auch dieses↩︎

März

Allen Quantifizierungsbestrebungen zum Trotz erscheint mir nach wie vor Musik als das geeignete Medium, um Koordinaten des eigenen Lebens abzustecken. Eine Playlist, ein immer noch so genanntes Tape, ein Set – es sind Markierungen des Hier und Jetzt, im Wortsinn. Sie beschreiben einen Ort und eine Zeit, じくう, Raumzeit. Aus diesem Grund hole ich Rainfall, Revolve gern hervor. Darum notiere ich Tracks, die das Jahr gefüllt haben; zuletzt für 2012 und 2011, natürlich.

Auf Einladung von Freunde von Freunden habe ich einige Musik für die ersten beiden Monate des Jahres 2013 in einem Set verbaut. Es ist die Nummer 51, und sie ist – dank mangelnder Kunstfertigkeit und hinreichend Attitüde – angemessen roh geraten. Es ist eine Folge von Tracks, die dafür gemacht sind, in weiten Räumen gehört zu werden, raumgreifende Musik, sozusagen, auf die eine oder andere Weise. Um ihr meinen eigenen Titel zu geben: Das hier ist Rooms, hier ist der Soundcloud-Link. Enjoy.

Um besonders rohe Formate (YouTube-Videos, Bandcamp-Seiten) niederfrequenter Musik noch ein wenig schneller (sofort) als erinnerungswert zu markieren, habe ich in der vergangenen Woche SCHLUCHT gestartet. Mehr vom gleichen, mehr vom guten.

November

Es gilt der Eintrag vor diesem. Diese Seite musste sich verändern, wiederum. Die vergangene Version von electricgecko war eine Formulierung meines Zustandes, als ich nach Hamburg kam, vor vier Jahren (vier Jahre sind eine lange Zeit). Ich habe einen Job angefangen und bin in eine leere Wohnung gezogen. Ich musste damit zurechtkommen, dass Hamburg nicht Berlin ist, und auch nicht London. Ich wohne immer noch in dieser Stadt und bin froh, dass sie nicht Berlin ist, oder London. Meine Wohnung nach wie vor leer, weil ich das so mag. Davon abgesehen ist wenig wie es vor vier Jahren war. Mein Blick ist ein anderer, ich habe ein Studio gegründet, es gibt andere Musik und neue Schuhe.

Darum weg mit den Serifen, weg mit der Eleganz, dem Papier und der schönen Gestaltung. Statt dessen Raum und Sperrigkeit. Raum für den Blick, Raum für Bilder, Referenzierungen und Samples. Sperrigkeit, um sich zu erinnern: Das gilt alles nur gerade jetzt und hier, sperrig und subjektiv.

Die Struktur ist einigermaßen gleich geblieben, verschiedene Styles für verschiedene Inhalte. Ich unterscheide weiterhin zwischen den Themen Fotografie, Selbstreferenz, Hamburg Leben, Orte, Web und Musik. Eine eigene Seite für Links, weil ich das hübsch anachronistisch finde, keine Kommentare mehr, weil Diskurs ohnehin an anderen Orten stattfindet. Das ist alles. electricgecko, Version fünf. Regular service recommences now.

And while my original form disintegrates, i come to exist as a multiplicity of forms that are not fixed but always redefined by my contiunous engagement with the phenomenas that surround me.

September

Hamburg ist nicht reich an relevanten Publikationen, die sich mit populärer Kultur und sonstigen Geschehnissen der Wochenenden befassen. Darum ist es schade, dass sich die verbliebenen rar machen (looking your way, Boheme sur le Kiez) oder nicht mehr existieren. Um so schöner, dass Sabine und Malte von Affekt keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigen, sondern dieser Tage ihren zweiten Geburstag feiern.

Und da Affekt nicht nur redet, sondern auch handelt, feiert es den großen Tag mit uns allen – und zwar am 9. September, in den Räumen des Lokal. Es gibt eine offene Ausstellung Hamburger Künstlerinnen und Künstler, Getränke, Musik und diese wunderbare Stimmung, wenn auf einer Party alles passt. Alles Weitere entnehmt Ihr bitte der Selbstbeschreibung der Ausrichter sowie diesem Reklamefilm und bestätigt anschließend eure Anwesenheit bei diesem Facebook-Event.

Ich werde vor Ort sein und gemeinsam mit dem famosen Lorin Strohm ein Set elektronischer Musik beisteuern. Kommt alle. Es wird wunderbar.

Juli

Es geht schnell, wenn die Entscheidung erst einmal gefallen ist. Darum sind die knapp fünfzig weiß gestrichenen Quadratmeter im Karoviertel kein leerer Raum mehr, sondern ein Studio. Weil Andreas und ich das so nennen, weil wir Tische gebaut und Wände gestrichen haben, weil es jetzt einen Plan gibt, für diesen Raum. Wir durften feststellen, dass die Geschichten der anderen wahr sind – wenn es dein Büro, deine Agentur, dein Laden ist, freust du dich über jedes Regalbrett und das Geräusch der neuen Türklingel.

Long story short – wir freuen uns so sehr, dass wir gern zeigen möchten, was wir gerade tun. Darum veröffentlichen wir ab sofort Fotos aus dem werdenden Studio. Dazu haben wir eine simple Website gestaltet: We Are building a digital design studio.

Es gibt eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account. Nicht weil man das so macht, sondern weil wir etwas mitzuteilen haben werden. Weil wir was vorhaben, mit Hamburg.

Und wenn uns jemand fragt, wer wir sind, dann sagen wir: We Are Fellows.

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