Strategien sind ja generell eine gute Idee, wenn man ein Ziel verfolgt, so quer über das Schachbrett oder beim Versuch, das Spiel in den letzten drei Minuten noch zu drehen. Für Leben und Arbeit ist das nicht anders, nur fehlt die Hälfte der Steine, die Schnürsenkel sind offen und das Regelbuch liegt hinter dem Sofa.
Das gilt für Gestaltung, aber auch für sonstige Tätigkeiten zwischen neun am Morgen und vier in der Früh. Wie vieles andere auch bedeutet Gestaltung, aus nichts etwas zu schaffen, das im besten Fall zwar nicht neu, aber from scratch, also von Neuem aufgebaut ist. Man kommt nicht umhin, zwischenzeitlich auch mal zu denken. Wer denkt, hadert. Kontingenz ist zwar eine schöne Sache, aber unerwünscht auf dem Weg zum klaren Ziel. Mit jedem hinterfragten Versuch und jeder verworfenen Option lungert man sich schließlich selbst im Weg herum. Man lauert sich auf, bereit, in den eigenen Rücken zu fallen, auf dem Weg zum guten Ergebnis.
Es braucht Zeit, um zu lernen, Willkür zu akzeptieren.
Die Entscheidung für eine Schriftart und ihren Schnitt lässt sich halbwegs über Referenzen und erlerntes Aushandlungswissen begründen. Die Entwicklung eines Rasters ist eine halbwegs formalisierte Aufgabe. Aber spätestens für dessen inhaltliche Ausgestaltung ist die Komplexität der Optionen zu hoch, als dass sie zu überblicken wäre. Und das Ende des Plans, der Abschluss der Arbeit ist letztlich pure Willkür. Es gibt immer noch eine Linie zu entfernen, ein Element feinzujustieren, eine Richtung auszuprobieren.
Wann Gestaltung aufhört, ist nicht abzusehen. Weitere Strategie, bitte. Sie kann nur darin bestehen, Willkür zu akzeptieren. Die Endgültigkeit der Vorläufigkeit nicht zu verwerfen, sondern zu begrüßen. Man muss sagen: Vorläufiges ist hinreichend fertig. Die Angst an sich selber zu scheitern, ist unbegründet.
Der Mangel ist unsere glänzendste Eigenschaft1.
Das ist alles, was wir zu hoffen wagen dürfen. Und gleichzeitig ist es ein großer Luxus, selber zu bestimmen, wann ein Ding anfängt zu existieren. Ob es überhaupt anfängt. Und wann es wieder aufhört.
1 Espy
(Website)Wie gesagt: “Ich lass das jetzt mal so”
Gepostet am 20.12.2009. Permanenter Link zu diesem Kommentar.
2 Malte
(Website)eben.
Gepostet am 20.12.2009. Permanenter Link zu diesem Kommentar.
3 Jens
(Website)Gute Worte.
Gepostet am 23.12.2009. Permanenter Link zu diesem Kommentar.
4 Malte
(Website)Vielen Dank, Jens.
Gepostet am 23.12.2009. Permanenter Link zu diesem Kommentar.
5 kunstreich
(Website)»Kontingenz ist zwar eine schöne Sache, aber unerwünscht auf dem Weg zum klaren Ziel. »
Ambition und Talent liegen dem Guten und Schönen zugrunde. Disziplin erschafft sie. Aber doch muss letztlich ein Ziel bekannt gewesen sein, um unterwegs nicht im Labyrinth der Möglichkeiten an der falschen Kreuzung stehen zu bleiben, zu verharren und, oh weh, am Ende doch wieder falsch abzubiegen.
Je klarer das Ziel, desto leichter der Weg. Denn: Wer doch genau weiß, wo er ankommen will, der kann sich auch unterwegs mal in den schönen Ecken des Zufalls umsehen.
Das Ziel, dieses Ziel. Wer eines hat, er merkt es kaum. Sein Erreichen ist Antrieb und Landkarte zugleich, ohne das sonderlich Notiz von dieser wichtigsten alles Vorraussetzungen genommen würde.
Doch wem das Ziel abhanden kam oder nie bekannt war, dem hilft nicht Willkür. Die Willkür macht Spaß, dem, der weiß, dass er am Ende trotzdem ankommen wird. Sie ist Sicherheit. Dem Ziellosen dagegen ist die Willkür nur Willkür…
Gepostet am 25.12.2009. Permanenter Link zu diesem Kommentar.