electricgecko

Juni

Der alpine Zustand: Wissen dass man nichts ist, wissen dass man hier ist und alles hat. Überhaupt wissen um Welt und Fels. Wissen um die Ewigkeit. Wissen wie’s geht. Was auch immer du willst: Es wird in die Form der Welt passen müssen. Du kannst dich gegen die Berge lehnen, und es wird nichts bewegen, ein Lehnen bleiben. Sprengstoff beschleunigt nur die Entropie, die sich am Rande der Täler bereits sammelt.

The philosophical issue with maximizing (or simply: optimizing) anything is that it implies economization. The foundation of economic thinking is rationalization, in the sense of making things countable and objectively comparable. It is assigning a value to every thing, and expecting this value to be universally acknowledged. This is invalid.

The value of things is entangled with perception, which in turn is entangled with culture, values and lived experience. To think economically is to think too simply. Therefore, approaching lifestyle decisions economically rather than idiosyncratically seems to be a way to get what society deems valuable at best – it is, however, unsuited to lead to interesting results or make you happy.

Mai

Die Freiheit des stetigen Wiederholens, des Akzeptierens der Bedingungen und der Arbeit, sie endlich abzuschaffen unddurch eigene zu ersetzen. Das lange genug tun, um ein Alter und einen Zustand des Seins zu erreichen, der diesen Vorgang dann auflöst, ersetzt durch ein neues Nichts, durch nichts und Stein. Vorsichtig Glück erlauben, allein dort wo der Fluss in den Atlantik mündet und die Blicke an nichts enden. Alleine, in der Welt. Gebaut, geschrieben, gelaufen (built, written, run).

Zum Lesen kommen, auf einer Bank im Park bei Monte Catini Therme erst zum Lesen kommen: Wenn alle Pflichten samt und sonders erledigt worden sind. Sonntags in einem abgedunkelten Museum am Holz sitzen, zeichnen, absorbieren. Das Leben weit in die Vergangenheit ausdehnen.

Keine Belohnung sondern Rückkehr und Besuch bei den Persönlichkeitsteilen, die immer schon die Grundlagen für die stetige Erledigung der Pflichten überhaupt zur Verfügung gestellt haben. Lang verharren sie angekettet im Disziplinarkeller.

April

Ein Museum für eine Besuchende, zu betreten durch eine Stahltür in einem Feld aus Gras zwischen den Ewigkeiten. Eine Tür, die die Besuchende hinter sich verschließen soll, um sich inmitten einer Welt einzuschließen (nicht dieser). Ein Ding, das ganz ein Ding ist. Semiotik und Semantik fallen vom Firmament, und sie fallen zusammen: Das Zeichen ist seine Aussage. Das rare kosmische Gleichgewicht einer Wahrheit, an deren endlosen Rändern die Energie unmerklich flimmert.
Immer wieder die Reihe abschreiten
am Werk entlanggehen
linear, tangential, ein Weg neben der Welt, und dann:
Skulptur
Intervention
Austritt
hervor tritt
Nichts
nichts Klares
bestenfalls Wille und Agglomeration
Hinreichend Form
oder Halbfigur
Stein aus Metall
Concrete birdsong
Meine Figuren müssen überdauern
in ihrem Ausdruck, ihrer Haltung.

ein Narrativ steht außer Frage
Bedürfnis, Hand an den Beton zu legen
ewige Ruhe
kultivierter Fels
67 Schritte
Kein Bestandteil sein, nicht von dem was war
nicht von dem was demnächst kommt
Stille nach dem Einsturz aller Himmel und Paläste
Hier sein und wissen
Ich komme niemals zurück
Ich neige mein Haupt
Ich verschließe die Tür für alle
nicht für wenige

Was du der Welt abringen kannst, an Zeiten und Orten, das wird dir gehören. Alles Bedeutsame muss aus den Klauen des Universums gerissen werden, mit Ideen und roher Kraft. wo und wenn es gelingt, da sammelt sich das Material, aus dem ein Leben errichtet werden kann.

Mit der Wut ist es wie mit der Angst: Wenn sie konkret wird, ist sie bereits fast verschwunden. Sie existiert nur als etwas fernes, an das man sich intellektuell und emotional nicht herantraut, und das ist das Problem. Darum hilft es zu schreiben, zu konkretisieren, das Ferne im Konkreten auflösen. Ich bin gezwungen, mir das ganz Schlechte zuerst und im Detail in mich aufzunehmen. Vor Paranoia, dass es mich sonst übermannen (maskulin) möge.

Ich gehe aus den Wegen, hinter den Häusern und unter den Straßen.

Ich weiß wo alles ist und ich nicht sein kann.

März

Man sollte die Kunst außerhalb der Städte aufbewahren, nichts soll sie umgeben. Wer sie betrachten möchte, soll anreisen, eine Strecke zurücklegen und sich aus dem Fahrzeug bewegen. Die betrachtende Person soll durch Flure und Gräser gehen, hier und dort eine hohe Tür öffnen und dahinter ideale Galerien mit begrenztem, aufmerksam angeordnetem Inhalt vorfinden. Sie soll eine Treppe hinauf steigen und am Ende einen leeren Raum betreten, in den die umgebende Natur und ihr Schatten hineinfallen. Am Stahlrahmen des Fensters inne halten und weit und breit nichts weiter sehen. Zwischen Bäumen und hohen Wänden sollen ihr Alternativen zu allen Dingen einfallen. Es braucht Kiesel und einige Wasservögel und dort ein Brot mit Butter und Petersilie und mehr als all das: Zeit.

Wer die Antwort weiß, kennt die Frage nicht.

Es gibt in jedem Jahr den Tag an dem es zu sich findet, Ausdruck gewinnt. Häufig ist es dieser Moment, der im Verzeichnis der gelebten Jahre auffindbar bleibt: So war das, dort und dann gelebt zu haben. Niemals ist es ein erwartbares Datum. Die Situation ergibt sich, sie breitet sich aus, und dann ist es klar.

2026 taucht das Jahr hinter einer Serpentine auf, Beschleunigung, Momentum aus der Kurve, Ideallinie jenseits gelber Markierungen, entlang der hohen Mauern aus vorgefundenen Steinen in der schmalen Straße (zuvor waren die Steine viele tausend Jahre lang Berge gewesen, Klippen am See). Die Fliehkräfte werden von The KVB überlagert, das Demo von First Encounter durch das überraschend muskulöse Soundsystem, und da ist es nun, das Jahr. Es hat die unwirklichen Jahre hinter sich gelassen und ist ganz real, konkret, scharf wie die schneebedeckten Gipfel der Alpen in der klaren Luft weit vor mir. Ich lehne mich in die gegenläufige Kurve, ein lächerliches weißes Auto trägt mich in neue Zukunft.

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