electricgecko

Juli

Der See am Montag Morgen ist der gleiche See wie immer. Ich fliehe vor der Zeit auf die gleiche Weise wie ein Flugkörper die Erdanziehung überwinden muss, durch eine kritische Kombination aus Entschluss, Geschwindigkeit und Distanz. Der Zeit und der Erde einmal entkommen, ist da die Leere und die Schönheit der Leere. Sie besteht auch dann, wenn nur einer da ist, um sie wahrzunehmen und hervorzubringen, und eventuell ein Esel, eine Entenlinie. Alle anderen haben sich in Zeit und Gravitation verfangen. Ich komme davon: Alles hinter mir, der See vor mir.

Das Sommerhaus, das Haus im Sommer ist durch offene Seiten definiert, durch die der Wind dieser Stadt stetig weht. Kein Licht mehr, nur ein Rest Sonne, der es noch entlang der Krümmung der Erde zu mir schafft. Ein weiter Hof, in dem Eichhörnchen leben. Umstanden von Häusern, fünf Stockwerken und schlanken Birken, eine Remise, ein Rasen, begrenzte Gärten, Lichter. Morgens ziehen zwei Mauersegler Bögen durch den Balkon. Auf der anderen Seite die in dieser Zeit zumeist leere Straße, selten kommen Verrückte vorbei.

Es braucht eine Relativitätseinsicht oder eine Relativitätstherorie der Sprache, der fundamentalen, radikalen, persönlichen Relativität des Gesagten und Verstandenens. Ihre Relativität wird nur im Zaum gehalten durch Kultur im groben und den sozialen Kontrakt im feinen. Nicht, dass diese Kontexte etwas Absolutes darstellten, an das sich die Sprache befestigen ließe, doch sie sind zumindest in der Gegenwart der Rede für die Nachgiebigen eine Erdung, die das gemeinsame Verständnis vor die Möglichkeit, das Richtige für einen kurzen Moment zu halten, prorisiert. Das sollte jemand in eine handhabbare Form bringen, aber ich nicht, jedenfalls nicht mehr heute Abend.

Juni

The future is in old things, rustic things, things that have matured until they became boring and hermetic. Things that no longer turn profit: their efficiency gains remain in the systems that produced them, entangled in the tool and its lore. These are gains that are suitable only to fuel the production of more beautiful questions, exquisite doubt and idiosyncratic interest. The future is blunt tools in adept hands. The future will occupy less space than its past. We will have narrow futures, sliver-shaped futures, that provide sufficient space to dwell for a heart and a soul.

In der zweitlängsten Nacht des Jahres türmt sich eine Cumuluswolke in der Ferne. Wir stehen auf dem Dach und betrachten ein lautloses Gewitter, das sich in ihrem Inneren abspielt. Nur seine Resonanz erhellt den Himmel. Die Welt sieht das nicht, sie ist anderswo beschäftigt. Amseln singen auf dem Baukran.

Der alpine Zustand: Wissen dass man nichts ist, wissen dass man hier ist und alles hat. Überhaupt wissen um Welt und Fels. Wissen um die Ewigkeit. Wissen wie’s geht. Was auch immer du willst: Es wird in die Form der Welt passen müssen. Du kannst dich gegen die Berge lehnen, und es wird nichts bewegen, ein Lehnen bleiben. Sprengstoff beschleunigt nur die Entropie, die sich am Rande der Täler bereits sammelt.

The philosophical issue with maximizing (or simply: optimizing) anything is that it implies economization. The foundation of economic thinking is rationalization, in the sense of making things countable and objectively comparable. It is assigning a value to every thing, and expecting this value to be universally acknowledged. This is invalid.

The value of things is entangled with perception, which in turn is entangled with culture, values and lived experience. To think economically is to think too simply. Therefore, approaching lifestyle decisions economically rather than idiosyncratically seems to be a way to get what society deems valuable at best – it is, however, unsuited to lead to interesting results or make you happy.

Mai

Die Freiheit des stetigen Wiederholens, des Akzeptierens der Bedingungen und der Arbeit, sie endlich abzuschaffen unddurch eigene zu ersetzen. Das lange genug tun, um ein Alter und einen Zustand des Seins zu erreichen, der diesen Vorgang dann auflöst, ersetzt durch ein neues Nichts, durch nichts und Stein. Vorsichtig Glück erlauben, allein dort wo der Fluss in den Atlantik mündet und die Blicke an nichts enden. Alleine, in der Welt. Gebaut, geschrieben, gelaufen (built, written, run).

Zum Lesen kommen, auf einer Bank im Park bei Monte Catini Therme erst zum Lesen kommen: Wenn alle Pflichten samt und sonders erledigt worden sind. Sonntags in einem abgedunkelten Museum am Holz sitzen, zeichnen, absorbieren. Das Leben weit in die Vergangenheit ausdehnen.

Keine Belohnung sondern Rückkehr und Besuch bei den Persönlichkeitsteilen, die immer schon die Grundlagen für die stetige Erledigung der Pflichten überhaupt zur Verfügung gestellt haben. Lang verharren sie angekettet im Disziplinarkeller.

April

Ein Museum für eine Besuchende, zu betreten durch eine Stahltür in einem Feld aus Gras zwischen den Ewigkeiten. Eine Tür, die die Besuchende hinter sich verschließen soll, um sich inmitten einer Welt einzuschließen (nicht dieser). Ein Ding, das ganz ein Ding ist. Semiotik und Semantik fallen vom Firmament, und sie fallen zusammen: Das Zeichen ist seine Aussage. Das rare kosmische Gleichgewicht einer Wahrheit, an deren endlosen Rändern die Energie unmerklich flimmert.
Immer wieder die Reihe abschreiten
am Werk entlanggehen
linear, tangential, ein Weg neben der Welt, und dann:
Skulptur
Intervention
Austritt
hervor tritt
Nichts
nichts Klares
bestenfalls Wille und Agglomeration
Hinreichend Form
oder Halbfigur
Stein aus Metall
Concrete birdsong
Meine Figuren müssen überdauern
in ihrem Ausdruck, ihrer Haltung.

ein Narrativ steht außer Frage
Bedürfnis, Hand an den Beton zu legen
ewige Ruhe
kultivierter Fels
67 Schritte
Kein Bestandteil sein, nicht von dem was war
nicht von dem was demnächst kommt
Stille nach dem Einsturz aller Himmel und Paläste
Hier sein und wissen
Ich komme niemals zurück
Ich neige mein Haupt
Ich verschließe die Tür für alle
nicht für wenige

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