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Texte über Musik, Raum, Gestaltung und Kunst. Fotos.

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M A R K

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Ich hege eine ausgeprägte Zuneigung für die Kombination aus Demut und Anmaßung. Sich den Dingen ohne Angst vor dem Scheitern zu nähern, wider besseren Wissens vorauszusetzen, die eigene Art und Weise zu handeln sei valide. Ein bisschen entspricht diese Haltung dem Konzept von 初心, also der Offenheit für Fehler und dem Ebnen eines eigenen Weges, so mangelhaft und erfolglos er von außen erscheinen mag. Es ist eine Strategie, die Handlungsfähigkeit herstellt. Das ist keine leichte Aufgabe unter den Bedingungen dieser Tage.

Dieses Konzept ist nicht neu und tritt immer wieder dann zu Tage, wenn neue Werkzeuge zur Verfügung stehen, die für einen Augenblick lang außerhalb reglementierter Räume ausprobiert werden. Software hatte diesen Moment, und ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern. Computerprogramme waren etwas privates, selber herzustellendes.

Das ist lange her. Aber ich bin überzeugt, dass es seinen Teil zum eingangs Gesagten beigetragen hat. Die Tatsache, dass diese Website weiterhin existiert, mag eine Ausprägung meines Wunsches nach eigensinnigen Lösungen sein01. Letztlich verdanke ich es Devine Lu Linvega02, diesen Gedanken in diesem Jahr ein wenig in die Tat umgesetzt zu haben: Ich habe mir meine eigene Software zum speichern, sortieren und archivieren guter Bilder geschrieben.

Das Programm heißt M A R K. Es besteht aus einigen Front- und Backend-Komponenten in PHP und JavaScript, die sich auf den gängigen virtuellen Hosts installieren lassen. M A R K entspricht Kriterien, die ich in dieser Kombination in keiner existierenden Lösung gefunden habe:

  • M A R K stellt einen chronologischen Stream aller Inhalte dar – und damit ihre Ähnlichkeiten, Unterschiede und die Entwicklung meiner ästhetischen Vorlieben. Thematische Ordner gibt es zusätzlich.
  • Bilder werden nicht in einer Datenbank gespeichert, sondern in sinnvoll benannten Ordnern im Dateisystem des Servers organisiert. Die Benennung der Dateien ist chronologisch. Auf diese Weise bleiben Ordner unabhängig vom Programm und behalten ihre Ordnung – auch außerhalb von M A R K.
  • Die Größe der Bilder lässt sich über die Tasten + und – anpassen. Das ist entscheidend, um M A R K gleichermaßen als Moodboard wie als Bilderpool verwenden zu können.
  • Bilder lassen sich über ein Bookmarklet und durch Drag & Drop hinzufügen.

Eine ausführlichere Darstellung meiner Überlegungen habe ich in der Readme aufgeschrieben.

Es hat mir in diesem Jahr große Freude bereitet, an M A R K zu arbeiten und das Programm zu verwenden. Es entspricht meinen Vorlieben und Interessen. Es ist fehlerbehaftet und stets in Arbeit. Es ist diese Kombination, aus der ich viel gelernt habe. Adaptability, decentralisation, resilience, fun: D.I.Y. ist eine zeitgemäße Strategie.

  1. Oder, wie Ktinka in ihrem Aufruf zu #gobacktoblogging in diesem Jahr so treffend schrieb: the reach of your blog will be way smaller. However to a great extend it will be yours.↩︎
  2. Devine ist vermutlich die Person, die den Weg der eigenen Lösung konsequent und am schönsten geht. Sein Universum an Darstellungsformen, Gestaltung und Programmen ist inspirierend wie wenig anderes. Case in point im Kontext dieses Textes: Ronin, eine idiosynkratische Bildbearbeitungssoftware, die notwendig wurde nachdem eines von Devines Notebooks auf hoher See kaputt ging. True Story.↩︎
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