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Anti Anti

Es ist nicht so schwer, ein starkes Corporate Design für ein gutes Produkt hinzubekommen. Talent für Gestaltung und Kommunikationsstile ist da draußen im Web reichlich vorhanden – leider und häufig gezwungenermaßen gepaart mit der Bereitschaft, dieses auch für wenig bis kein Geld einzusetzen. Zumindest, wenn es um ein kredibiles und hochwertiges Produkt geht. Fame, ein fester Teil des Honorars, wie die Steuern.

Vor diesem Hintergrund darf man dem frischen, norwegischen Jeanslabel mit dem sehr guten Namen Anti Sweden bereits jetzt Erfolg auf der ganzen Linie attestieren. Alles richtig gemacht: Großes Selbstvertrauen in Namen, Ansage und Wortmarke an den Tag gelegt, anschließend die postmoderne Umwidmungsmaschinerie so gewinnbringend wie möglich in Gang gesetzt. Die Death-Metal-Referenz ist noch nicht allzu abgegriffen, bringt einen angemessen schrottigen Illustrationslook mit (Typ: dezent okkultes Kugelschreibergekritzel) und liegt allein aus geographischen Gründen (Oslo!) nahe. Dass verhuschtes Doomzeug à la Wolves in the Throne Room gerade hip ist, schadet sicherlich auch nicht.

Ich bin vom Look und der Inszenierung ganz hingerissen, weil sie so konsistent und bold (falls jemand eine adäquate deutsche Übersetzung kennt, setze ich sie gern hier ein), aber gleichzeitig sehr albern sind. Bitte mehr solche Projekte, mehr liebevolle Produkte, mehr überdrehtes Popkulturdurcheinander. Wir helfen auch alle gern, we’re only in it for the fame and a free pair of black overdye slim fits.

Mehr Fotos vom Anti-Sweden-Labellaunch und weitere Spitzenartworks von Justin Bartlett gibt es auf der temporären Website, antisweden.no.

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