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Text über Musik, Raum, Gestaltung und Kunst. Fotos.

Marseille: a landscape overrun by infrastructure, flowing, abruptly ending on geologic barriers. Inhabited caves and machines, steep cliffs of built limestone, a sea of lives lived extending into the horizon, up and under bridges, weaving foot traffic through houses and below kitchens and gardens. A drawn city, a pastiche on paper, all colorful dust and complex views. A decidedly non-urban urban space, a grown stone organism, a Moebian landscape, a Cité Obscure.

Psychological Bar Reviews (5)

Everything at Winsome, Los Angeles, radiates comfort. Woods and leathers are light, the space is airy and, at this time of day, mostly empty. Everything about layout, menu and personnel suggests American diner, albeit re-colored, re-tooled and re-cast to fit the Silver Lake set. A backdrop against which meaningful glances may be exchanged, plans made, and, most importantly, intents are declared as loudly and clearly as possible.

Two tables over, masculine drawls discuss cast and casting for an upcoming project. It is repeatedly referred to as a „feel good movie“, a group of words that seem purposefully assembled to enable maximum vocal fry. The granola is served with strawberrys, and it is excellent, as every granola in California tends to be. Ice teas are ordered before, after and with everything.

„Martinis are better in daylight“, another declaration, made over the faint clinks of clear ice cubes in thin-walled glasses, as another day, and another power brunch passes on the patio, in bright sunlight and stark shadow.

Winsome, Silver Lake, Los Angeles.

The World is allegedly actively Tragic

Es gab einen Moment in den nicht mehr ganz frühen Zweitausendern, in denen die Auflösung der populären Kultur eine geradezu schmerzhafte Schärfe angenommen hatte. Alles schien auf zwei Dimensionen reduziert: Musik, Fotografie und Kleidung wie Onyx, körpernah, monochrom und ohne jede wahrnehmbare Tiefe. Kein Sub und kein Rauschen, und wenn, dann nicht das vielfarbige All1, sondern Chord picking, dünne Hosen, dünne Jungs und weißes Filmkorn bei 1000 ASA.

Ich war für eine Sekunde befremdet und dann hin- und mitgerissen, als das kürzlich zurück in 2019 stürzte. Schuld ist, ach was, Hedi Slimane. Für Celine hat er einen Weg gefunden, die Schärfe, die er in Fotografie und Kleidung vor 15 Jahren definiert hat, wieder anschlussfähig zu machen. Dabei geht es natürlich zuerst um Musik und dann um alles andere. Es geht um das Mixed-Media-Kollektiv Crack Cloud.

Diese Band führt einen Take auf die hochverdichtete Präzision der Zweitausender auf. Sie spielen nicht als hätte es die Strokes nie gegeben, im Gegenteil: Crack Cloud sind die comichafte Riesenübertreibung der Strokes. Diese maximale Angespanntheit, diese gezuckten Riffs und die antrainierte Oxford-Performance sind allesamt so drüber, dass man das 2019 ausschließlich gut finden kann.

Und bei allem Gepose ist es letztlich die große Klasse, dieser krasse Skill, den man kaum sehen soll, hinter all dem Affekt. Es ist also alles, wie es sein muss, in einem Glaskasten an der Seine, und auch auf den Straßen in deiner Stadt. Man muss sie hinuntergehen, zu Drab Measure, dem Hit der Stunde, und sich jung und neu fühlen, als sei man niemals niedergeworfen worden.

  1. Also die Hintegrundstrahlung in der Welt von Basic Channel, in der Weite und der Raumbezogenen Musik, im Dub. []

Kire no Kozo

Self-discipline is empathy with your future self, las ich zu Beginn des Jahres irgendwo auf Twitter. Das ist gut gesagt, wenn 2018 etwas gelehrt hat, dann dass kurzfristige Gratifikation möglicherweise unser größtes Problem ist. Es ist Kunst, sich zu unterwerfen, alle Konsequenzen und vor allem die schmerzhaften anzunehmen. Weil es nur dann die Chance gibt, den Dingen Gewicht zu verleihen, weil sie nur dann wirklich existieren. Gleichzeitig muss man wissen, wann und wo der Schnitt zu setzen ist. Sich mit gleicher Eleganz, Sicherheit und Würde lossagen, den Moment sezieren und gerade auf diese Weise das Neue zu schaffen. Beides, Unterwerfung und der Schnitt, sind notwendige Teile des Vertrauens in den Prozess, nicht seine Resultate.

Das war in diesem Jahr weiterhin zu lernen, wiederum in Japan: Auf dem Weg durch die unbeschreiblichen Wälder von Wakayama und am Tag des Taifuns in Kyoto, den ich in einem Bunker neben Hōkan-ji verbrachte. Es war zu lernen in London, wo ich Hōjōki las (Architektur und Geisteszustand, natürlich), als wir Subhuman Inhuman Superhuman und das Dach der Triennale für uns hatten, als in der Ferne der Frühling begann. Es war zu lernen bei Dan Flavin in München und angesichts Ryoji Ikeda’s Point of no Return (2018).

Demut, Unterwerfung, langfristiges Denken, weniges könnte unzeitgemäßer erscheinen. Ich denke, es ist der Weg der kommenden Jahre: weniger Freiheiten und weniger Gratifikationen. The wrong roads are being paved in an increasingly automated culture that values ease, und darum müssen wir gegen diese Form der Zugänglichkeit sein, und gegen Komfort. Der einfache Zugang zu allen Dingen ist eine Einladung, sich mit Anspruchsvollem zu befassen — nicht zum Versinken im zuerst Vorgefundenen. Zukünftige Infrastruktur muss die Verfeinerung ihrer Inhalte hervorbringen, nicht die Erhöhung geistlosen Durchsatzes. Es ist weiterhin an uns, diese Strukturen zu bauen. Grace as defiance, Musik des Jahres 2018.

Winter

Frühling

Sommer

Herbst

Winter

Sets

Welterfinden

Auseinandersetzung mit Musik ist etwas anderes als Musik hören. Musik muss natürlich gehört werden. Aber sinnliches wie intellektuelles Verständnis herstellen, Musik anwenden auf sich selbst und alles, das sind eigenständige Tätigkeiten.

Wie viele Dinge beginnt meine Faszination für eine Musik mit Codierungen, Verweisen auf eine Weltperspektive oder ein größeres ästhetisches System. Ich bleibe hängen, und das ist ein entscheidender Moment, der Anfang eines Gedankens. Habe ich Zeit, ihn zu verfolgen, zwischen zwei Haltestellen einige Zeichen in die dunkle Monospacewelt von IA Writer zu notieren, dann ist etwas gewonnen: eine Welt, eine Quelle für Neues.

Ich habe dieser Art der Auseinandersetzung mit Musik Zeit und Raum gegeben, in diesem Jahr. Eine Nacht im Schreibzimmer in Porto, ein langer Spaziergang am Kanal in die Wildenbruchstraße. Ich bin dankbar für die unendliche Menge großartiger Haltungen, Styles und Perspektiven und dankbar für die Fähigkeit, etwas vorfinden und erfinden zu können, in den Welten anderer. Fünf Platten, die mir 2018 wichtig waren.

Auch wichtig und häufig gehört: Heathered Pearls – Detroit, MI 1997—2001 Remixes, Felix K, Marcel Dettmann, Sa Pa & Simon Hoffmann – Rauch, Zuli – Terminal, Front 242 – Back Catalogue, Warsaw – Warsaw, Shed – No Repress but Warehouse Find EP, Sisters of Mercy – Some Girls wander by Mistake, Pom Pom – Untitled, Yan Cook – Dead Satellite

  1. Im Sinne des großen universellen Kunst/Leben-Moments affirmativer Musik, nicht im Sinne der Marktgesetzoffensichtlichkeiten aktueller Protagonisten. []
  2. Es gibt übrigens einen sehr guten Mitschnitt der Finissage der Carsten-Nicolai-Ausstellung in der Copenhagen Contemporary von 2016. Ein ähnlich herausragendes Set sah ich mit Hannes beim Sonar Festival, eine meiner liebsten Erinnerungen aus jenem Jahr. []
  3. Das erste Release ist wirklich, ohne Ausnahme, immer das beste: Die konzentrierte Inkarnation einer Idee, entbehrungsreich oder nachlässig hergestellt, ohne dass sonst etwas notwendig wäre. Die erste Platte ist ein Moment der Klarheit, Begrenztheit und Intensität. []
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