electricgecko

Januar

Ich verfolge das Tun des Kevin Hamann schon eine Weile. Früher hatte er mal keinen Bart und eine hinreißend verbastelte Website, auf der er unter seinem Nom de Guerre – erst Tom Bola, dann Click Click Decker – kratzige Tapes produziert und in die Welt versendet hat. In Münster hat er zu der Zeit einmal im halben Jahr sehr allein mit einer Gitarre auf einer überdimensionierten Bühne gestanden. Dort hat er seine Lieder gesungen, geschrieen und rumgelärmt. Das hat mir gut gefallen. Irgendwann kam dann die Nichts für Ungut. Die hatte ein gestaltetes Cover und klang produziert. Click Click Decker war eine Band geworden. Mit der durfte er sich die Kuschelbühne der Luna Bar teilen, um ein lautes, volles, hinreißendes Konzert zu spielen. Das hat mir außerordentlich gut gefallen.

Ende des Monats erscheint eine neue Platte der Gruppe Click Click Decker. Das ist wichtig, weil es sich mit ein wenig Glück um ein Album in deutscher Sprache handelt, das man nicht nur anhören mag, sondern dem man zuhören möchte.1 Das ist außerdem wichtig, weil Human Empire ein Cover gestaltetet haben, dass das verlorene Bildbandgenre Tierbuch im beigen Einband wieder auf die visuelle Agenda setzt; unterschnittene Modern 20, entsättigte Tierschnipsel, einhundert Punkte. Liebevolle Gestaltung für liebevolle Musik.


  1. Das schaffen sonst ja nur Superpunk, Turbostaat, 1000 Robota und Tocotronic. ↩︎

Dezember

Wie es hier aussieht! Ja, aussehen tut es, und zwar anders als vorher. Ich sollte das erklären. Als ich die letzte Version von electricgecko.de im Sommer vom Netz genommen habe, war es vor allem die starre Formatierung als Weblog, die mich gestört hat. Längere Texte sahen gut aus, alles Andere war mehr Behelf und Fensterkitt. Diese Version ist eine Weiterentwicklung der letzten, sie ist in einiger Hinsicht die konsequentere Umsetzung einer ähnlichen Herangehensweise: Struktur, Kopf und Fuß der Seite sind (natürlich) aus ähnlichen Elementen aufgebaut. Allerdings verzichte ich ausnahmslos auf Dekoration. Keine schönen Bilder, keine Tapetenmuster, keine Schnörkel, nichts dergleichen. Einzig der Inhalt darf funkeln und blitzen, und zwar nicht nur als Inhalt, sondern auch in seiner Präsentation.

Aus meinem Ärger über mein altes Journal hat sich schnell die Idee für die neue Version ergeben. Der Content soll flexibler, interessanter und angemessener präsentiert werden. Das ist nicht mehr als das Prinzip klassischen Editorial Designs; erzähle eine Geschichte durch strukturierende Gestaltung und konsistente Organisation von Informationen. Dieses Vorhaben stellt sich im Web ohne luxuriöse Möglichkeiten hinsichtlich Typografie, Raum und Präzision deutlich schwieriger dar. Schlimmer: Regelmäßig aktualisierte Websites (~ Weblogs) formatieren ihre Beiträge in der Regel nach einem festen Schema. Diese Form der Serienproduktion zu umgehen, ist schwer – zumindest, wenn man nicht wie Jason Santa Maria jedem Eintrag eine eigene Art Direktion angedeihen lassen will (die in seinem Fall kontinuierlich unfassbar gut ist).

Solche Ambitionen hege ich nicht. Trotzdem habe ich nach einem Weg gesucht, verschiedene Textsorten und unterschiedliche Arten von Fotos auf die ihnen angemessene Art zu zeigen – eine Sache, die ich an Tumblr sehr schätze. Um eine für WordPress handlebare und visuell ansprechende Methode zu finden, habe ich zunächst einmal diverse Notizbücher haltlos vollgeschrieben. Anschließend eingesehen, dass es so nicht geht, mich einen Spätsommersonntag lang hingesetzt und ein einfaches Gestaltungsraster entwickelt. Der große Hype um rasterbasiertes Webdesign ist ja inzwischen durch1, so dass man sich statt um How-Tos und hochglänzende Fertigframeworks nun endlich wieder um seinen Zweck und den praktischen Einsatz kümmern darf. Das neue Raster setze ich auf allen Unterseiten konsequent ein. Für das Journal bedeutet das: es gibt vier Layouts für verschiedene Inhalte, die die Optionen des Rasters jeweils unterschiedlich nutzen. Jetzt, zum Launch, sind drei dieser Layouts auf der Startseite zu sehen.

Mir ist bewusst, dass das Ergebnis des Redesigns visuelle Ecken und Kanten hat und in manchen Punkten vielleicht sogar kontraintuitiv ist. Ich habe lange versucht, diese Dinge besser auszubalancieren. Jeweils mit dem Ergebnis, dass mir der Look danach nicht mehr gefallen hat, weil er an Entschlossenheit und Spannung verloren hatte. Also bleibt es, wie ich es mag: kantig und vertrackt und simpel. Mit electricgecko.de halte ich es wie der Pudel Club an der Theke: Es gibt was es gibt.

Was es gibt:

  • Eine Seite für Projekte, die zu gleichen Teilen mit Ideen, Gestaltung und Programmierung zu tun haben.
  • Andauernd auf unterhaltsame und verwirrende Weise wechselnde Farbschemata. Mehr dazu bald.
  • Monats- und tagbasierte Archivseiten.
  • Kaum erkennbare Metalinks zu jedem Eintrag.
  • Fließtexte in Palatino.
  • Fußnoten.

Was es nicht gibt:

  • Ein Portfolio, weil ich als Inhaber einer Festanstellung momentan nichts herzeigen muss.
  • Eine eigene Seite für Fotos, weil ich im Journal zeige, was gezeigt werden muss und nichts besser funktioniert als Flickr.
  • Support und Bugfixing für den Internet Explorer.

  1. Mit dem Ergebnis, dass jetzt hunderte Seiten aussehen wie Subtraction↩︎

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