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electricgecko

Texte über Musik, Raum, Gestaltung und Kunst. Fotos.

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My strength, and my problem, is that I usually know exactly what I want, which is this amazing gift, or a huge ego problem. It’s both, I’m sure, and I forgive myself if it’s an ego problem. I’ve learned to do that. So it’s not like I invite people to interpret my work. I hate that (…) Being able to do it all on my own, I’m able to set a standard.

Nihilism is a trapdoor but no one said the basement was inhospitable. Work with what you have. Make silk from the cobwebs.

8405
data.tron [3 SXGA+ version] (2009-2018)
8379

Es fehlt ein Verb für die Tätigkeit, die im Halb-Zustand zwischen Programmierung und Gestaltung stattfindet. Es ist beständiges Tasten auf der Suche nach einem angemessenen Gefühl für ein bestimmtes Interface, nach der korrekten Balance aus Physik und Assoziation. Teils ist es Konstruieren, teils räumliches Entwerfen, teils händisches Formen des Materials. In dieser Tätigkeit geht es langsam voran, aber Konstruktion, Gestaltung und inhaltlicher Ausdruck entwickeln sich zugleich, die falsche Trennung der Disziplinen außer acht lassend.

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Tekno

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Auch das Rohe hat seine Unschuld verloren. Spricht man über Musik, sind selbst die verwertungsfeindlichen, tapfer aufrichtigen Genres Hardcore und Gabber nur strukturkonservativ (also mit Hilfe großer kognitiver Anstrengung aufrecht erhaltener Ignoranz, siehe auch Black Metal und Oktoberfest) aufzuführen. Abgesehen dieser Trance-Generators- und Terrocorps-Revivals bleibt also nur das Schicksal aller Popkultur: Verwertet werden. Schaut, wie cool, hart und doof/Lolwat, Neon-Tribals?!

Glücklicherweise hat auch das Rohe Partisaninnen, die seine inhärenten Qualitäten schätzen und weiterentwickeln: die kognitive Wirksamkeit, das brutale Überladen der Wahrnehmung (damit nichts anderes stört), die endlose Schönheit seiner unbehandelten Texturen.

Clouds sind Partisanen roher elektronischer Musik. Sie schlagen neue Anordnungen für Jungle, Hardcore und Gabber vor, sie schaffen Hörbarkeit durch Kontext und stellen damit die Würde dieser Genres für die Gegenwart wieder her. Dazu setzen sie Mittel ein, die unter rohen Fassaden erst nach und nach lesbar werden. Selbstverständlich müssen zunächst Überdimensionierung und Nachdruck etabliert werden, das vollständige Ausfüllen der kognitiven Kapazität der Hörenden mit Musik: auf HTID übernehmen das die Einstiegstracks Base Damage und vor allem der Banger der Platte, Dinner at Skinjas.

Ist eine gewisse Gewaltbereitschaft unter Beweis gestellt, demonstrieren Clouds ihre Aufmerksamkeit für Details, ihr Gefühl für Zeit und Raum sowie einen gänzlich genrefremden Hang zum cineastischen: Wir hören Geschehnisse einer Welt, in der diese Platte stattfindet, vollständig eingerichtet und zuende ausgedacht, großteils in den Schatten verborgen. Diese Welt wird gleichsam hineingesampled, Charaktere und Orte bleiben unklar, aber das Gefühl für ihre Texturen und Konflikte zieht sich durch die Dramaturgie der Tracks.

(Insofern ist es nur folgerichtig, dass Clouds für ihre folgende LP das Welterfinden externalisieren. Gemeinsam mit David Rudnik erzählen sie auf Heavy the Eclipse die audiovisuelle Geschichte von Neurealm – einer in Deutschpatois ausgekleideten Version von Glasgow im Jahr 2418, in der sich allerhand unterhaltsame Raver, Gangs und Freischärler gegenüberstehen. Die Folge sind nicht nur unrealistisch gute Tags und Bombings, sondern auch Track-Titel wie Warped Amphetamine Flex und Nachtstorm Hardcore.)

Schließlich sind es die trackübergreifenden Narrative, die Clouds-LPs zu Alben machen. Auf HTID gibt es eine herausragende Progression von Quest Posse Wanted zu Rush in 2 Orbit (Skinnergate) (wie gut diese Titel sind, wie gut die ganze Lore ist). Letzteres versteckt seinen höllischen Groove bis 3:21, quasi in plain sight, und dann ist auf einmal alles da – kulminiert in einer rohen, komplexen, spartanischen Gesamtschönheit, auf dem Floor und im Hirn, rar in jedem Genre.

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Black Peace

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The specific peace that exists within Ryoji Ikeda’s installations must be described as a black peace (borrowing the term from Ikeda’s aethetic contemporary, Byetone). It evokes a specific type of calm that can only exist in a situation of being overwhelmed, awash with data and scale, in a moment of incomprehension. This is Ikeda’s foundation: Confronting recipients of his work with scales and semantics that are incongruent with the human perceptive systems, following and focusing the data permeating every situation and every place, unbeknownst and unperceived by the human subjects of such situations. In this way, Ryoji Ikeda’s work must be likened to the sublime, to moments on mountaintops, in deep forests and on beach cliffs. It evokes a realization of insignificance01, of belonging to the universe. With this comes peace, a warm feeling of being oneself and one with all, a black peace.

(Auf den Treppen im Foyer des Eye, nach Ryoki Ikeda im Oktober 2018.)

  1. Sublime places repeat in grand terms a lesson that ordinary life typically teaches viciously: that the universe is mightier than we are, that we are frail and temporary and have no alternative but to accept limitation on our will, that we must bow to necessities greater than ourselves., Alain de Botton – The Art of Travel (2002), p.169↩︎
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