electricgecko

April

Ein Museum für eine Besuchende, zu betreten durch eine Stahltür in einem Feld aus Gras zwischen den Ewigkeiten. Eine Tür, die die Besuchende hinter sich verschließen soll, um sich inmitten der Welt einzuschließen (nicht dieser). Ein Ding, das ganz ein Ding ist. Semiotik und Semantik fallen vom Firmament, und sie fallen zusammen: Das Zeichen ist seine Aussage. Das rare kosmische Gleichgewicht einer Wahrheit, an deren endlosen Rändern die Energie unmerklich flimmert.
Immer wieder die Reihe abschreiten
am Werk entlanggehen
linear, tangential, ein Weg neben der Welt, und dann:
Skulptur
Intervention
Austritt
hervor tritt
Nichts
nichts Klares
bestenfalls Wille und Agglomeration
Hinreichend Form
oder Halbfigur
Stein aus Metall
Concrete birdsong
Meine Figuren müssen überdauern
in ihrem Ausdruck, ihrer Haltung.

ein Narrativ steht außer Frage
Bedürfnis, Hand an den Beton zu legen
ewige Ruhe
kultivierter Fels
67 Schritte
Kein Bestandteil sein, nicht von dem was war
nicht von dem was demnächst kommt
Stille nach dem Einsturz aller Himmel und Paläste
Hier sein und wissen
Ich komme niemals zurück
Ich neige mein Haupt
Ich verschließe die Tür für alle
nicht für wenige

A monochrome photo of a sign stating "Slamming the door may cause damage to the time movement"

Was du der Welt abringen kannst, an Zeiten und Orten, das wird dir gehören. Alles Bedeutsame muss aus den Klauen des Universums gerissen werden, mit Ideen und roher Kraft. wo und wenn es gelingt, da sammelt sich das Material, aus dem ein Leben errichtet werden kann.

Mit der Wut ist es wie mit der Angst: Wenn sie konkret wird, ist sie bereits fast verschwunden. Sie existiert nur als etwas fernes, an das man sich intellektuell und emotional nicht herantraut, und das ist das Problem. Darum hilft es zu schreiben, zu konkretisieren, das Ferne im Konkreten auflösen. Ich bin gezwungen, mir das ganz Schlechte zuerst und im Detail in mich aufzunehmen. Vor Paranoia, dass es mich sonst übermannen (maskulin) möge.

Ich gehe aus den Wegen, hinter den Häusern und unter den Straßen.

Ich weiß wo alles ist und ich nicht sein kann.

März

Man sollte die Kunst außerhalb der Städte aufbewahren, nichts soll sie umgeben. Wer sie betrachten möchte, soll anreisen, eine Strecke zurücklegen und sich aus dem Fahrzeug bewegen. Die betrachtende Person soll durch Flure und Gräser gehen, hier und dort eine hohe Tür öffnen und dahinter ideale Galerien mit begrenztem, aufmerksam angeordnetem Inhalt vorfinden. Sie soll eine Treppe hinauf steigen und am Ende einen leeren Raum betreten, in den die umgebende Natur und ihr Schatten hineinfallen. Am Stahlrahmen des Fensters inne halten und weit und breit nichts weiter sehen. Zwischen Bäumen und hohen Wänden sollen ihr Alternativen zu allen Dingen einfallen. Es braucht Kiesel und einige Wasservögel und dort ein Brot mit Butter und Petersilie und mehr als all das: Zeit.

Wer die Antwort weiß, kennt die Frage nicht.

Shed, the warmest broken machine. Every track the most cheerful assault, sprung from the joy of returning your own type of energy to the universe, an act of balancing power, and a shove against all limiting forces, a symbolic rejection of letting the walls close in on us any further. Techno is still the space and the place, the last pop music humankind invented, our final beacon of resilience, the vocabulary of freedom spoken through gritted teeth. Worn, another spirited roundhouse to the head of the heads. Shed will never stop.

Es gibt in jedem Jahr den Tag an dem es zu sich findet, Ausdruck gewinnt. Häufig ist es dieser Moment, der im Verzeichnis der gelebten Jahre auffindbar bleibt: So war das, dort und dann gelebt zu haben. Niemals ist es ein erwartbares Datum. Die Situation ergibt sich, sie breitet sich aus, und dann ist es klar.

2026 taucht das Jahr hinter einer Serpentine auf, Beschleunigung, Momentum aus der Kurve, Ideallinie jenseits gelber Markierungen, entlang der hohen Mauern aus vorgefundenen Steinen in der schmalen Straße (zuvor waren die Steine viele tausend Jahre lang Berge gewesen, Klippen am See). Die Fliehkräfte werden von The KVB überlagert, das Demo von First Encounter durch das überraschend muskulöse Soundsystem, und da ist es nun, das Jahr. Es hat die unwirklichen Jahre hinter sich gelassen und ist ganz real, konkret, scharf wie die schneebedeckten Gipfel der Alpen in der klaren Luft weit vor mir. Ich lehne mich in die gegenläufige Kurve, ein lächerliches weißes Auto trägt mich in neue Zukunft.

Als wir jung waren, wussten wir nicht, dass wir jung waren und wir wussten auch nicht, wer wir sein würden, wenn wir unsere Jugend dann heute abgelegt haben würden.

Februar

Der See gefüllt und aufgewühlt, arg dunkel, die Berge blau, als glaubten sie nicht, dass der Frühling bereits hier gewesen ist. Diese Klippe ist ein Haus, wo der Rest der Welt keines kennt. Der Nebel kommt hoch, vom Wasser her. Man kann sich hier vorstellen, wie alle weg wären. Die Treppen und Brunnen und kieselgepflasterten Straßen in Frieden gelassen, so dass zum ersten Mal seit dreitausend Jahren hier Platz ist, Luft verbleibt, Gelassenheit lebt. Alle Stege liegen einsam. Eine Katze und ich wechseln das Verfolgen ab. Dann warten wir, bis die Schläge der Glocke der Insel verhallen. Alle Städte sehen, alle Werke ohne ihre Macherinnen betrachten, Frieden finden.

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