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Unity and Measure

Das Langformat hat ausgedient, unter aktuellen Weltbedingungen des Beobachtens ist es nicht adäquat. Der permanente Wechsel zwischen Perspektiven und Kontexten ist die richtige Strategie; jedes Medienformat ist notwendigerweise ein Metaformat, das ein Bewusstsein aller gleichzeitig stattfindenden Formate einschließt. In Floor-bezogener Musik ist das nicht neu, das Einsteigen und Aussteigen aus der Dramaturgie der Nacht gehört dazu. Die kalte Luft atmen, jemanden küssen, Wasser trinken und zurückkehren in eine veränderte Stimmung ist essentiell. Kontextswitch, good entertainment.

Einem langen Format zu folgen, erfordert etwas anderes: Erscheinen, wenn die Tür aufgeht. Sich an den Schreibtisch setzen in der Nacht ohne Vorhaben. Fünf Stunden Zeit.

Das fünf-Stunden-Set ist bereits zu Beginn anders, sein Narrativ ist nicht zu überblicken, nach acht Minuten, aber dass er verschieden ist, ist klar. Ein fünf-Stunden-Set bewegt sich tastend durch Zeit und Raum, statt sich auf die Körper zu werfen (meist sind wenige vorhanden). Es verwebt die Leere zu etwas Fühlbarem, es definiert und kontrolliert den körperlichen und den emotionalen Vibe. Das fünf-Stunden-Set hat Zeit, den Raum zu durchmessen, sich zu entfernen und zurückzukehren – ohne die Spannung zu durchbrechen, wie es auf dem Floor gewöhnlich wäre.

Es ist eine meiner liebsten und seltenen Freuden, eine Nacht im Club mit ihrem Anfang zu beginnen. Dort sein, wenn die Türen aufgehen, so lange bleiben wie es mir gefällt. Ich habe das Warm-up oft mehr gemocht als die Party – die Antizipation, das Aufschichten, das Anstauen von Energie. Völlig klar einem langsamen Narrativ zu folgen, Zeit verwenden ohne Ablenkung, Alles fühlen, Freiheit im Gebundensein. Going through the motions, but doing so with increased mindfulness.

(Während ich das 5:34:14 lange Set von Pom Pom höre, das sich tastend durch große Hallen bewegt, ins Freie tritt, den aufwirbelnden Staub betrachtet, Linien auf dem Boden folgt, um schließlich nach zweieinhalb Stunden zu einem höllischen Basic-Channel-Groove zu finden, zur brutalen Gelöstheit der zweiten Pom-Pom-LP, in den Schluchten der Nacht. Buy the ticket, take the slow ride).

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