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Texte über Musik, Raum, Gestaltung und Kunst. Fotos.

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Zeitmaterie

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(Noch ein Text über Shed, zum Re-release von Well Done My Son, veröffentlicht eigentlich irgendjemand sonst noch Musik?)

Shed ist zwei Personen – ein Produzent von Techno-Alben, die von ihrer Spationierung leben, deren große Momente in der Leere und im Rauschen des Delay-Filters arrangiert sind. So sorgsam und kontrolliert produziert, dass sie bereits zum Zeitpunkt ihres Erscheinens zeitlos sind.

Die andere Person ist WAX-Shed, Dub-Shed, Banger-Shed, Funktions-Shed – der Typ, der nach zwanzig Jahren immer noch Whities für die Floors raushaut. Komprimierter Techno, der stets und spürbar im Raum stattfindet (auch hier ist Dub die Basis01). Es sind die einfachsten Progressions aus zwei Akkorden, die kompakteste Snare und kurz vor 130 BPM.

In beiden Varienten des Shed-Outputs geht es um Zeit: ihre Manipulation, Verdichtung, Auflösung und Wiederverwertung: Ein Spektrum zwischen dem ganz und gar Dasein im hochverdichteten Moment und dem endlosen Leben mit seinen auseinanderliegenden Momenten, Verbunden durch Musik. 12 Jahre nach seinem ursprünglichen Release ist Well Done My Son auch in diesem Sommer wieder ein Punkt auf dieser Achse.

Ich wollte nur sagen: Well Done ist ein Banger für den Sommer, ein komprimiertes Brett, komprimierte Zeit, jetzt und hier keine weiteren Gedanken, der Track ist so gut.

  1. Wie zuletzt zu hören auf No Repress But Warehouse Find.↩︎
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Fluid77 Efx130+Fan

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Auseinandersetzung mit Kunst ist Unterscheidungsfindung, die Suche nach einer Perspektive, das Begutachten von neuem Material auf Brauchbarkeit für kognitive, emotionale, ästhetische Baustellen. Es ist schön und befriedigend, wenn die Kognition einrastet, wenn sich Verständnis einstellt, die Entcheidung fällt, wie da von nun an etwas zu betrachten ist: Suddenly hooked on that new Shed EP.

Im Fall der einigermaßen sperrig betitelten Not a Repress but Warehouse Find hat es eine Weile gedauert, um zu verstehen, wo das alles hingehört. Vermutlich brauchte es überhitzten Berliner Asphalt und ein leicht dehydriertes Gehirn, um dieser kunstvollen Anordnung von Ravebrutalismen folgen zu können. Lumber Fix TT ist ein Stück Architektur, so präzise, dass man die schamlose Peaktimehook erstmal überhört – und von den ersten zwei Minuten Acid Drift bleiben wenige Erinnerungen übrig, nachdem eine brachiale 808 endlich Bodenhaftung erzeugt. Dann zwei Shedding-The-Past-mäßige Interludes, zu denen man über den Kanal oder in den Himmel blickt. Die beiden letzten Tracks (Entschuldigung, ich muss, die Namen sind so schön: Sp ToolVltk3 und 130 Go Sweep) könnten um ein Haar das neue Wax-Release sein, wären sie nicht so kompakt und kontrolliert und nicht so mittelbar fantastisch.

Such a nice piece of sonic brutalism, so verfasert kohärent und so intens, dass es sehr gut zu diesem Sommer passt.

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Spirit-Tech

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Alva Noto war schon immer das Alter Ego für die Hits, für den affirmationsorientierten Output des Projekts Carsten Nicolai. Dieser Musik geht es um die Beschreibung physikalischer Räume – dem Herausarbeiten der arkanen Konfigurationen, die in ihrer Metaphysik etwas fühlbares hinterlassen. Insofern ist die Uni-Trilogie (UnitxtUnivrsUnieqav) natürlich Popmusik, so berechnend wie effektiv.

Diese Präzision bleibt dabei unverschleiert, das Gefühl in einem antiauthentisch herauspräpariert und hochgradig empfindbar gemacht. Dies gilt für den dritten und letzten Teil der Serie in besonderem Maße: Unieqav reißt noch einmal alles ab, was die Stätten des Kunst- und Lebensbetriebs in den Städten hergeben. Printworks London, Margiela GATs, Karl-Marx-Stadt, Doppelhelix auf eins und vier. Heimweg zu Uni Blue, dem aufgerauten Hit der LP, ein Track wie gewaschener Kaschmir.

Ich erinnere eine der frühen Aufführungen dieser Platte in einem dunklen Theater in Barcelona, der Welt fern und nah dem kollektiven Inneren. Pop: Das Gefühl eindringlich vorhanden und aufgelöst zu sein. Gemeinschaft, oder zumindest Gefährtenschaft, erzählt auf eine Weise, die ich verstehen kann.

  • Alva Noto – Unieqav, LP. Noton, 2018.
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Big Yes

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Manche Gedankenformen habe ich so häufig vorfolgt, dass sie zu Bedingungen meiner Wahrnehmung der Welt geworden sind. Ich arbeite mich an Themen ab, und so wenig sie mit der elusiven Natur von Realität01 zu tun haben, so instrumentell sind sie für die Herstellung von Wahrheit als subjektive, kontingente Folgerichtigkeit. Inhaltlich letztlich bedeutungslos, aber Pfeiler eines funktionierenden Frameworks um klarzukommen.

Eines dieser Themen ist die Hochverdichtung eines Gedankens bis zu dem Punkt, an dem nicht mehr unterscheidbar ist, ob er sehr klug oder sehr dumm ist. Werden diese Pole äquivalent, sind andere Kriterien interessant und notwendig: Intensität. Effizienz. Case in Point: Das unbetitelte Release einer ebenfalls unbenannten Produzentin des nuller-Jahre-Labels Pom Pom bei Ostgut. Diese EP ist pure Form, ein Bekenntnis zum Geradeaus und zur Intensität. Musik wie diese scheint mir nach wie vor die einzige Chance, meinen Drang zur permanenten Unterscheidung für eine kurze Weile auszusetzen. Vielleicht geht es auch in erster Linie um Commitment: Commitment zu genau einer Idee, so einfach, richtig und begrenzt sie auch sein mag.

Dieser Text erscheint mir weniger zielführend als der Waschzettel des Labels zu diesem Release: Black strikes back. Pom Pom. Bumm Bumm. Ja Ja. Vollkommen richtig.

  • Pom Pom – Untitled, EP. Ostgut Ton, 2018.
  1. Dieser Begriff verlangt stets nach Anführungszeichen oder – zumindest – Kursiven: I always perceived radical constructivism as a survival tactic.↩︎
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Transparente Elektronik

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Im Falle von Topdown Dialectic von Releases zu sprechen ist einigermaßen missverständlich. Was bei Bandcamp (via Aught) als Tapes und Dateien verfügbar ist, gleicht eher arbiträren Mittschnitten einer kontinuierlich laufenden Modulation: Aufnahme und Wiedergabe eines endlos verspulten, stets neuen Grooves. Loop-basierte Musik, transparente Elektronik. Sie legt sich wie ein Film über jeden Ort, wird unmittelbar Teil der Ambience.

Trotz des so stark empfundenden Raumbezugs ist den Topdown Dialectic-Tracks ein Element der Ferne gemein. Ihre hellgraue Körperlosigkeit erreichen nie das hier, den Vordergrund, sie bleiben im dort, eine architektonisch zu spürende Abstraktion, Musik als Infrastruktur.

In letzterer Hinsicht sind sie konkret und spürbar: Cleane Wärme, ein freier Schreibtisch an einem Frühlingstag. Clicks und Impulse für alles, aber keine Dichte, kein Gewicht, kalifornische Sonne, Samstag, 10:21.

… rolling from Actress or Lee Gamble-style skank-house in 05 to the frayed swing of 06 and luscious cyber-boogie-dub in 07, whilst 08 does blown-out dub with trippy flair, and the final couplet of 09 and 10 feel like the mutant antecedent of Pole’s best, early work and the unquantised ecologies of FiS.
  • Topdown Dialectic – 20170804. LP. /\\Aught, 2017.
  • Topdown Dialectic – /\\09. LP. /\\Aught, 2015.
  • Topdown Dialectic – /\\02. LP. /\\Aught, 2014.
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