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The Liminal Pool

Viewed from the coast, the atlantic ocean is a singularity. It has no end and no dimension.

Alvaro Siza carved a pool into the void – human ambition inserted into the unending sea. Ultimately, Piscina das Marés is a vantage point: A place to observe, and a place to dip into a singularity on a hot day.

The basins and all infrastructure are built using concrete that has been made from rocks of the coast, ground down to silicate sand. The structure may be the only one on the planet that is literally spliced into itself.

Only part of the main pool is built. Rather, it is grafted onto a natural fundament. Its built components remain gestures that add edges and plinths to rocks and sand. Their expression is structural, visual appeal emerging from precise emptiness. As structural interventions, they appear as sculpture without gestalt. They are closer to land art than architecture.

As all swimming pools, Piscinas das Marés is fundamentally about the body, and about the beach as environment for the relationship of bodies. A stage for the bared human form, observed between rocks, from platforms and planes. The body is put to use, to measure the basin, to define its blurry dimensions by traversing it, to draw dotted lines between the realm of modernity and the vast entropy that expands at its edge.

Swimming is measuring: by using the pool, by crossing the water and by walking its perimeter, measurements are taken unconsciously. Using Piscinas das Marés defines its blurry dimensions, draws dotted lines between the realm of anthropocentric modernity and the silent entropy beginning at its edges.

The basin’s water is clear and salty – sourced from the atlantic ocean, filtered and cleaned. It is an odd sensation to swim in this type of water – an unnaturally clear simulacrum of sea water contained in a basin within itself. It feels oddly artificial, a simulated liquid lapping the granite rocks that form part of the main pool. Every dive, its saltiness is a new surprise. This water brings to mind memories of the pure, clean and deadly desert, rather of other oceans.

The atlantic ocean was still during my most recent visit. Piscinas das Marés by Alvaro Siza is, of course, the most beautiful swimming pool ever built.

Memory Machine

Der Stromkasten, auf dem ich saß, steht an der selben Stelle. Er war noch unbemalt, zu dieser Zeit, ein gelbgraues Objekt, einen Meter zurückversetzt vom Weg, zwischen den Bäumen am Rand der großen Straße. Die asphaltierten Fahrradwege gab es noch nicht, und die Spuren auf der Kreuzung waren unmarkiert. Es war ein warmer Tag, alle Arbeit war getan und es gab nichts als auf dich zu warten. Ich blickte den gepflasterten Weg hinab und in die Sonne, ich faltete mein Sakko neben mir. Vermutlich hörte ich etwas Untriviales ohne Gewicht auf Dial oder einen der Tracks von der Angst and the Money, die wahr waren, zu dieser Zeit.

Ich wusste immer, aus welcher Richtung du kommen würdest. Ich wusste wie du aufblicken würdest zu mir und meinem Kasten, wie du da stehen und was du tragen würdest. Du würdet einen deiner Sätze sagen und ich würde in einem meiner Tonfälle antworten. Einen Plan gab es nie, nur vollkommenes Verständnis das nie von Dauer war, und wir folgten diesen Abenden in ihre Nächte.

Wir füllten die Gegenwart und unser Leben füllte die Zukunft. Ich erinnere mich kaum noch an dich, aber ich weiß, wer ich war, wenn du da warst, zumindest zu Beginn.

Ja, der Riss der Welt geht auch durch mich. Sie endete am Hafen, weil alles immer am Hafen endet. Aber ich weiß, wo sie begann, wo der Stromkasten steht. Der Mangel ist unsere glänzendste Eigenschaft. Wir werden nichts erklären, nichts begründen, wir haben nichts verloren als unser Interesse.

Machine Learning

Also ich denke, ich bin zu lange weggeschlossen, in der weltumspannden Krankheit oder im Alter, sonst hätte ich nicht solche Gedanken: Sehnsucht Rave, äußerste Anspannung und Full Release. Flirrend in der Nacht verschwinden, alles heiß, alle da. Das kann ich mir schon vormachen, wenn es dunkel ist, und laut genug. Es sind konstruierte Erinnerungen an Nächte, die’s nicht gab, gesampled aus denen, die stattgefunden haben – das muss so eine innere Machine Learning-Sache sein.

Mega Trap klingt nach dieser Art Nacht, es ist eine Platte der Akkumulation: Sound unter Beton, der kurze Ausflug ins unendliche unwirkliche Freie zwischendurch, eine Berührung im Geschiebe, das leere Starren bis Drinks kommen. Ein Break verhallen lassen, das kollektive scharfe Einsaugen der Luft. Sie handelt von den Schönheiten und den Exerzizien dieser Zeit, von Facetten eines einfachen Themas, im Grunde eine Single, durch Dubtechnologie auf Albumlänge gedehnt.

Wie so häufig gewinnt Shed/Head High sein Material aus der Dekonstruktion des Groove – und baut alles neu zu einer Art prosthetischer Erinnerung zusammen, verschoben und anschlussfähig ist an ihre realen Vorgänger. Niemand produzuiert so klinisch und dreckig zugleich: Alles was nervt wird so lange entfernt, bis das Wesen der Welt/der Nacht präzise freigelegt ist. Das ist hier und jetzt brauchbar, Ersatz für alles Abwesende. Alright, now –

Was mir nicht gehört

Die folgenden Texte habe ich am 15. April 2020 im ISLAND gelesen, als Teil der Aktion Fill the Void, die der weltmiserebedingten Leere des Veranstaltungsortes entgegenwirkte. Ich habe allein getrunken, gegessen und gelesen, in einem Anzug aus Wolle. Zwischen den Texten habe ich Musik abgespielt, die Playlist am Ende dieses Eintrags.

Nützlichkeit
Schönheit
Bestand
Dauer
Architektur

drama 2
das ist und bleibt so. was dir zustößt ist für dich wichtig. was dir zustößt ist wichtig für dich. wenn du es aber erlebst? dann rede ich drüber. mit wem redest du drüber? manchmal hört mir einer zu. der nichts zu tun hat. und dann hast du drüber geredet. ich habe es erzählt. stimmt denn das, was du dir erzählst? natürlich weiß ich, daß es nicht stimmt. also, du lügst dich an? nein, du verstehst mich nicht. ach, du weißt nicht, was du dir erzählst? doch doch. also lügst du nicht? natürlich nicht, aber ich weiß, daß es so, wie ich es erzähle, nicht gewesen ist und nicht ist. warum erzählst du es dann, wenn es nicht stimmt? ich meine manchmal, es stimmt schon, wenigstens ungefähr. aber dann weiß ich es wieder besser, ich fühle das, sehr deutlich. aber dann erzähle doch einfach ganz genau, was du fühlst und was du weißt. du hast mir ja gar nicht zugehört. wenn man sich mühe gibt, dann kann man auch sehr komplizierte sachverhalte sprachlich ausdrücken. aber dann gehören sie mir nicht mehr. willst du nicht teilen? ich kann nicht erzählen, was mir nicht gehört. so hat es mir nie gehört, wie ich es erzählen könnte. du mußt nur wollen, du mußt dich bemühen. du verstehst mich nicht. gehört dir das, was du sagst, wenn du sagst: ich verstehe dich nicht? du sprichst nur, mehr nicht. und du erlebst etwas, dahinter, hinter dem reden? nein, du versehst mich nicht und du verstehst dich nicht. du bist anmaßend. ich bin nur traurig, aber ich bin nicht traurig, weil es sinnlos ist, traurig zu sein und weil ich das weiß. du hast nichts begriffen. (nickt, wortlos, aber nicht traurig) (Schmidt)

Sokrates: Es ist also vernünftig zu denken, daß die Schöpfungen des Menschen entweder im Hinblick auf diesen Körper gemacht sind, und diesen Grundsatz nennt man die Nützlichkeit, oder im Hinblick auf seine Seele, und hier handelt es sich um das, was man unter dem Namen Schönheit meint. Anderseits aber muß der, der baut oder schafft, da er es mit dem Rest der Welt zu tun hat und mit der Bewegung in der Natur, die immerfort bemüht sind aufzulösen, zu verderben und umzustürzen, was er hervorbringt – ich sage, es muß ein drittes Prinzip anerkennen und muß versuchen, dieses seinen Werken mitzuteilen als einen Ausdruck des Widerstands, den sie ihrem vergänglichen Geschick entgegensetzen sollen. Er sucht also den Bestand oder die Dauer.
(Paul Valery, Eupalinos. Paris, 1923.)

Abteilung Worte
gauntlet
gambit
transat
datascape
synaptic dust
the dust gods
involuntary parks
shinzui
seriously untethered noetics
virtuecore
house of dust

The work – The idea that all of your doing, including the studio, the way the light falls into it, your tools, the arrangement of it all, your unused material (the work you yet have to do) – it all is the actual work, the work of your life, it is the things you are about, die dinge die bei dir vorkamen. your meta-work is your actual work. The pedestals matter as much as the artworks they support.

Liste 3
Zwang
Einführung
Grundlagen
Gründ(e)
Beweis(e)
Zusammenstellung
Kombination
Wiederholung
Tatsachen
Protokoll
Kollektion
Geißel
Funktion
Statik
Einsturz
Bauweise
Konstruktion
Struktur
Fundament
Material
Dokumente
negative Beispiele
Zeugen

I’m not into fun, I’m into concentration.

(Der Text von Haus der Lüge.)

Die undifferenzierte/nicht-dychotome, unabschabschaltbare Arbeitsfähigkeit (und ihr endlose Arbeitswille) der Algorithmen reflektiert die entscheidende Eigenschaft des Kapitalismus, die ihn über alternative Organisationsformen hat triumphieren lassen: Der Einschluss der Verneinung. Wenn es nicht um eine Leitdifferenz geht/wenn es nicht um Inhalte geht, sondern um Effizienz, ist auch Kritik in erster Linie eine Ressource für wirtschaftlichen Erfolg. Die Ablehnung des Kapitalismus zu einem vermarktbaren Produkt zu machen ist die rekursive Auflösung jeden Widerspruchs durch Einschluss in die Effektivitätslogik. Dass der Kapitalismus, und in seiner Folge der Algorithmus, seine eigene Verneinung einschließt (Abstand nehmen vom Algorithmus heißt, ihm rückschlussfähige Daten zur Verfügung stellen, man kann nicht nicht kommunizieren, man kann nicht nicht gelesen werden), ist der Grund für das Ende der Geschichten und Diskurse, und, in mittelbarer Folge, dem Rückzug ins Immaterielle und dem Beginn des Raubbaus an der letzten existierenden Ressource: Bedeutung.

große störungen entfernen sich und machen platz für eine lange ruhige und gerade linie die sich auf eine sehr stabile weise in die zukunft bewegt.

Was it eine Diva? Eine Diva ist eine Person, die Bedingungen unterliegt, die Außenstehenden nicht unbedingt klar sind. (Bargeld)

Selbstdisziplin und Intensität sind berauschend, und berauschende Dinge darf man nicht übertreiben, sonst spürt man sie nicht. Langsamkeit, Intervall, den Kick der Disziplin rationalisieren. Mit den Jahren wird klar, dass diese Worte nicht das Gegenteil der Agenda sind, sondern ihr Endgame. Totale Intensität und völlige Ruhe als Einheit der Differenz, しんずい (Shinzui), following the material and guiding it at the same time, until coherence emerges organically.

L.A. is the apocalypse: it’s you and a bunch of parking lots. No one’s going to save you; no one’s looking out for you. It’s the only city I know where that’s the explicit premise of living there – that’s the deal you make when you move to L.A. The city, ironically, is emotionally authentic. It says: no one loves you; you’re the least important person in the room; get over it. If you can’t handle a huge landscape made entirely from concrete, interspersed with 24-hour drugstores stocked with medications you don’t need, then don’t move there. It’s you and a bunch of parking lots. Los Angeles is where you confront the objective fact that you mean nothing; the desert, the ocean, the tectonic plates, the clear skies, the sun itself, the Hollywood Walk of Fame – even the parking lots: everything there somehow precedes you, even new construction sites, and it’s bigger than you and more abstract than you and indifferent to you. You don’t matter. You’re free.

(Geoff Manaugh, Greater Los Angeles. BLDGBLOG, 2007.)

Playlist

Raumzeitwelle

In den ersten zwei Monaten des Jahres höre ich viel Dub und dubverwandte Musik1. Es mag mit der fortdauernden Stasis der Welt zu tun haben, oder dem Wunsch nach Konzentration und Innerem, oder mit guten Releases. Möglicherweise sind es Schnittstellen zu Themen, die bei mir vorkommen. Zwei erscheinen mir interessant und plausibel:

Dub als Struktur

Dub ist grundlegend raumbezogene Musik: Hall ist akustische Wahrnehmung von Raum durch Zeit. In dieser Hinsicht definiert jeder Dubtrack einen Raum, samt architektonischer Beschaffenheit. Zugleich ist der – in Effektgeräten produzierte – Hall durch die Eigenschaften eines physikalischen oder digitalen Raumes, und damit durch physische oder digitale Architektur definiert. Dub verwendet bestehende Räume, um neuen musikalischen Raum zu erzeugen. Es ist in dieser Hinsicht ein unmusikalisches Genre; es interessiert sich für die Bedingungen von Musik, nicht für Musik an sich.

Dub als Arbeit

Dub versteht bestehende Musik als Material. Er unterzieht sie einem Vorgehen, der einem Durcharbeiten der Möglichkeiten gleicht, die das Material zur Verfügung stellt. Im Vordergrund steht nicht Intuition – sondern ein Prozess, ausgezeichnet durch ein begrenztes Set von Werkzeugen und eine gewisse Form meditativer Disziplin2. Dieses Vorgehen übersetzt Kunst in Arbeit und Inspiration in Durchhaltevermögen. Es neutralisiert die Bürde der Bewusstheit und ermöglicht reines Handeln, reine Arbeit. Hier liegt der taostische Aspekt des Dub3. Diese Perspektive scheint mir die Grundlage für die große Anschlussfähigkeit des Genres: selbstverständlich kann man niemals sagen, dass es um Kunst geht. Das gebietet das Gesetz der Ernsthaftigkeit und die for better or worse angeborenen Selbstdefinition als arbeitender Mensch. Ebenso selbstverständlich geht es aber immer genau um Kunst, als Strategie des Ausdrucks und des inneren Widerstands4.

Beide Aspekte machen Dub zu einer freitragenden Kulturtechnologie. Dub negiert künstlerischen Anspruch jenseits seiner musikalischen Praxis. Dub verfolgt eigensinnige Ziele ohne Wert und Verbindung, frei von Raum und Zeit – Dub ist der Raum und die Zeit. Nothing from something, something from nothing, völlige Konzentration

Musik im Kontext:

  1. Eher im weiteren Sinne von weiterverarbeiteter Musik denn im engeren Kontext der virtuosen Verwendung des Halleffekts im Kontext jamaikanischer Musikpraxis – aber durchaus auch letzteres, siehe Dub als Struktur↩︎
  2. To presume intuition on a subject was to upend the rigor of process. And the rigor of process was where true story lived schreibt Craig im Vorwort zu Kissa by Kissa im Bezug auf Alexander Chee – und stellt damit Bezüge zu zwei ebenfalls prozessbezogenen Kulturtechniken her: Schreiben und Gehen. ↩︎
  3. Rainald Götz hat es am besten formuliert und den Bezug zur deutschen Appropiation der Dubtechnologie hergestellt: Monumentaler Realbuddhismus. Man kann nicht über Dub sprechen, ohne über Basic Channel zu sprechen. ↩︎
  4. Das ist übrigens schön zu hören in der hundertsten Nacherzählung des Joy Division/New Order/Factory-Mythos (dieses Mal als Podcast: Transmissions) – insbesondere der Idealproletarier Peter Hook setzt alles daran, nicht als das Genie wahrgenommen zu werden, das er ganz offensichtlich ist. ↩︎
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