Mailand: Nüchtern, ruhig, leer, Steingrau, Salbeigrün. Der Garten in Brera: Ebenfalls leer, aber voller ungetriebenen Lebens. Später dann ist die Stadt gefüllt mit ihren Bewohnern. Zwei Sciure kommen mir in der Via Palermo entgegen, ihre Mäntel mit den Mustern verschiedener Tierfelle bedruckt, riesige Sonnenbrillen, ein anzügliches Lächeln. Was ist zu Lernen in Aula 43, was ist zu vergessen, in dieser Sitzung? Lampen, Grün, Holz und leere Rahmen im Hinterhof. Ein großes Glas im Regal, sein Inhalt: Nichts. Der Stoff eines sehr weiten, dunkelgrünen Anzugs, gefüttert in weißer, gestärkter Baumwolle. Eine Wolljacke, weich verfilzt, mit dem gleichen Futter. Raue, trockene Wolle, breite Kordelzüge, zugleich Trackpants und Teil eines Anzugs. Nur gefundene Dinge darf man behalten. Ich verstecke mich auf der Terasse bei Cracco mit zwei Getränken, offensichtlich verborgen unter den diversen Fluten, die Samstags in der Galleria verebben.
Sie haben den Torre Velasca gesandstrahlt. Nun einfarbig, wirkt seine invertiert balancierte Masse noch bedrückender. Stahlträger wie die Beine eines großen Insekts, das sich niederließ und nun den Turm umklammert. Aus der Nähe besehen sind die Oberflächen des Gebäudes erstaunlich fein: Filigranes Ornament monumental skaliert, eine Form vom Asphalt zu den Sternen.