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Black Peace

The specific peace that exists within Ryoji Ikeda’s installations must be described as a black peace (borrowing the term from Ikeda’s aesthetic contemporary, Byetone). It evokes a specific type of calm that can only exist in a situation of being overwhelmed, awash with data and scale, in a moment of incomprehension. This is Ikeda’s foundation: Confronting recipients of his work with scales and semantics that are incongruent with the human perceptive systems, following and focusing the data permeating every situation and every place, unbeknownst and unperceived by the human subjects of such situations. In this way, Ryoji Ikeda’s work must be likened to the sublime, to moments on mountaintops, in deep forests and on beach cliffs. It evokes a realization of insignificance1, of belonging to the universe. With this comes peace, a warm feeling of being oneself and one with all, a black peace.

(Auf den Treppen im Foyer des Eye, nach Ryoki Ikeda im Oktober 2018.)

  1. Sublime places repeat in grand terms a lesson that ordinary life typically teaches viciously: that the universe is mightier than we are, that we are frail and temporary and have no alternative but to accept limitation on our will, that we must bow to necessities greater than ourselves., Alain de Botton – The Art of Travel (2002), p.169

Als ich schließlich das bauhaus erblickte, das ganz aus einem Stück gegossen zu sein scheint wie ein beharrlicher Gedanke, und seine Glaswände, die einen durchsichtigen Winkel bilden, mit viel Luft verschließend und doch von ihr getrennt durch einen exakten Willen […]. Dieses Bauwerk steht gewissermaßen im feindlichen Gegensatz zu den benachbarten Häusern und zum Erdboden selbst, zum ersten Male sieht hier die Erde einen Kult der nackten Vernunft […]. Jeder Winkel, jede Linie, jedes kleinste Detail wiederholt hier eindringlich die Schlussworte seit der Schulzeit vergessener Theoreme: Was zu beweisen war. — Ilja Ehrenburg, erster Besuch am bauhaus Dessau, 1929. Eine der zahlreichen signifikanten Textpassagen unserer Reise in die beiden bauhausstädte.

DRKWRTR

Schreiben ist Gestalten. Je länger ich beides betreibe, desto weniger verstehe ich es, zwischen diesen beiden Tätigkeiten zu unterscheiden. Mir erscheint es sinnlos, eine Idee oder einen ästhetischen Vorschlag entweder visuell oder durch Sprache zu formulieren. Der Begriff Programmieren ist geeignet, um die Einheit von Gestaltung (als planvolles Arrangieren) und Text-Schreiben auszudrücken. Wenig zufälligerweise hat sich die Gestaltung von digitalen Dingen vom Grafikdesign gelöst und sich dem Produktdesign oder der Architektur genähert: Prototyping, Iteration, Gestaltung mit/im Code.

To program means to write something into existence.

In den letzten Monaten habe ich ein Programm geschrieben, um damit wiederum Texte schreiben zu können. In einem Anflug von Albernheit und überspannter Lust am personal Branding nannte ich dieses Programm DRKWRTR – in Verweis auf seine utilitaristische Ästhetik und Featurearmut. Beide Eigenschaften sind zu gleichen Teilen einem Mangel an Fähigkeiten und dem Drang zur Ästhetisierung geschuldet. DRKWRTR ist eine spartanische Umgebung für das Schreiben von Texten – das entspricht meinen Kriterien, um mich beim Schreiben wohlzufühlen. Im Einzelnen:

Wie so häufig hat der Versuch, ein limitiertes Featureset umzusetzen, zu einem anderen Ergebnis geführt, als ursprünglich beabsichtigt war. DRKWRTR ist ein eigensinniges Programm mit eigensinnigen Trade-Offs. Es ist ein simples Werkzeug zum Schreiben, wie ich es mir vorstelle, a writing environment for slaves in a brutalist spaceship1, aber sicherlich alles andere als flexibel einsetzbare oder gar sinnvolle Software.

DRKWRTR ist Open Source und basiert auf jQuery, Markitup und einigen anderen frei verfügbaren Javascript-Bibliotheken. Der Quelltext liegt bei GitHub. Ich freue mich über Kritik, Meinungen und Bugreports. Aus diesem Grund bin ich Alex sehr dankbar – für seine Hilfe und einige sehr gute Hinweise. Ich habe großes Interesse, aus DRKWRTR eine Offline-First-Applikation in seinem Sinne zu machen2. Mehr über das Programm steht in einer Datei namens Readme.md, auf drkwrtr.co/about und im User Manual, das beim ersten Öffnen angezeigt wird.

Schließlich: Seit dem vergangen Herbst schrieb ich die Einträge dieser Seite mit verschiedenen rudimentären Versionen von DRKWTR. Es freut mich sehr, dass ich diesen Text nun in einer Umgebung schreiben kann, die trotz und wegen ihrer beschränkten Möglichkeiten und vielen Mängel meiner Art zu denken, zu schreiben und zu gestalten entspricht. Without further ado:

http://drkwtr.co

CNCRT

  1. Um diese schöne Formulierung ästhetischer und ethischer Ideale unverändert zu stehlen. C.F.
  2. Weil es DRKWRTR auf Mobiltelefonen zu einem wesentlich sinnvolleren Programm machen würde. Momentan ist es ohne Webzugriff nicht verwendbar.
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