http://electricgecko.de/ Version VI 6.1a 2004 — 2015
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Texte über Musik, Raum, Gestaltung und Kunst. Fotos.

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Quantum Optics

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Happening: appropriation and re-contextualisation in popular culture has eclipsed real-time, notierte ich vor einigen Tagen in der Datei namens 2015.md. Es ist eine Randbemerkung eines größeren Themas, keine besondere Erkenntnis, a fact of the matter. Die Gegenwart zieht sich – und ihre ästhetischen Vorschläge verlieren auch den Rest ihrer verbliebenen Linearität. So gesehen ist Lee Gambles exzellente Koch-LP eine Platte, die nahtlos an die Entwicklungen der letzten drei Monate anfügt – auch wenn sie bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde.

Koch ist ein Album im Wortsinn, also eine zugleich vielfältige und konsistente Arbeit – und damit im Bezug auf elektronisch Musik eine rare Sache. Jeder der 16 Tracks ist notwendig, vom raumgreifenden Techno in Jove Layup bis zur Texturmedition Oneiric Contour. Zusammen wirken sie wie der Blick auf die nächtliche Topographie einer Metropole – kontrastreich, verschachtelt, voller Leerstellen und Strukturen in verschiedenen Zuständen des Auf- und Abbaus. Aus dieser Höhe treten Patterns und ihre Echos in den Vordergrund, das Gefühl für das Verhältnis des Raumes und die Texturen der Sounds. In keinem Track ist dies deutlicher zu spüren als in Nueme – dessen perfekte, wiederholungsfreie Dramaturgie in der kunstvollen Verstaubtheit seiner Oberflächen beinahe gar nicht auffällt.

Es ist die Porosität ihrer Oberflächen, die dieser Platte so anknüpfungsfähig macht: Sie lässt Raum für alles, sie stellt Verbindungen her, sie maximiert Komplexität, sie maximiert Reibung.

Lee Gamble – Koch. 2xLP. PAN, 2014.

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Westen

Im Westen, 2015. Foto von Gilbert Bachour.

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Review and Comparison

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I

Wie ein massiver Block organischer Technik duckt sich ein Gebäude unter dem niedrigen römischen Himmel, wie ein nasser Waran, seine graue Oberfläche im Regen schimmernd. Auf den ersten Blick ist es eine Schichtung kompakter Masse, breit und windend, die Hadid-Grundform.

Auf den zweiten weicht der Eindruck der Geschlossenheit. Das MAXXI ist destrukturierender Raum, es löst den Blick auf, die es löst die Wege auf, es löst die Zugänge auf. Jede Achse im und am Gebäude hat Parallelen, stellt alternative Routen für Blick und Körper zur Verfügung. Diese Verwindung bleibt auflösbar, jeder Zugang ist verständlich aus jeder Perspektive. Das alles folgt dem Flow der ins unendliche extrapolierten Zukunftsvision der neunziger Jahre. Jeder Winkel hat 45° und ist abgerundet, löst sich aus dem Ganzen, fließt ins Ganze zurück. Hangartreppen, schwarzer Kontrast gegen das Glas und den grünen Schimmer der Halogen-Reflektoren.

II

Das Ineinander-Setzen in der Architektur: Den Charakter eines Ortes entwerfen und ihm zugleich vehement widersprechen. Ihm auf Augenhöhe widersprechen, ihm so sehr widersprechen, dass es sinnlos wäre, den Widerspruch nicht als integralen Bestandteil des Entwurfs zu nennen.

Das MACRO liegt in den Schatten, in der Tiefe des Raumes und der Tiefe des Schwarz an allen sechs Flächen seines Atriums. Darin: das Infrarot des Kubus, von Odile Dercq quasi als Readymade hineingesetzt, wie eine eigene Etage wirkend. Darüber: das bunt gefilterte Licht des Glasdaches. Zu allen Seiten: Filigrane Galerien aus schwarzem Stahl. Spitze Winkel, Halogen. Wieder diese Neunzigersache01. Die Wahl der Perspektive und des Zugangs zum Raum ist frei. Je nach Position und Wendung dominiert die schwarze Bühne oder der Wille zum Effekt und zum Übermut – aber nie ohne auf das jeweils Andere hinzuweisen.

  1. Eher: 1988, wie ja Jahrzehnte gemeinhin selten zur vollen Dekade beginnen, sondern einige Jahre früher oder später.
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VI6.0a

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Der Gedanke einer alternden Website ist nach wie vor ungewohnt; die Laufzeit hinterlässt keine Spuren in den Oberflächen, keine Patina, die auf das schon lang Vorhandene hinweist. Das Digitale entspricht dem Wandel, es füllt die gegenwärtige Form und war anschließend schon immer so.

Ich habe diese Website neu gestaltet. Ein weiterer Wechsel des Aggregatszustands ihrer Inhalte. Hoffentlich eine Komprimierung der Ideen, die ich verfolge (wohin?), idealweise eine Fortsetzung der vorigen fünf Versionen. Ich habe weitere Dinge entfernt, um dem Format der Loseblattsammlung näher zu kommen. Weniger Kontext, mehr Aufmerksamkeit für die einzige relevante Frage: Wie interessant ist die Geschichte?. Alles Weitere ist gutes Interaktionsdesign für eine simple Aufgabe und mein fortlaufender Versuch, eine eigene Sprache zu finden, für alles und in allem.

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I tend to look at identity as something that can be controlled, sculpted, improved. I am a big fan of self-invention. I’ve been clinical with mine.R.O.

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