electricgecko

April

Entweder braucht es inzwischen gehörigen Schub, um mich aus der Lethargie zu bewegen – oder um den Qualitätsdurchschnitt der Releases des frühen Jahres 2012 ist nicht zum Besten bestellt. Gut, die neue Scuba war erfreulich, die Tracks July und The Hope waren prägend für zwei Wochen, immerhin.

Enter Claro Intelecto. Mark Steward produziert seit den frühen zweitausender Jahren langsame, dubbasierte Clubmusik – zuweilen leicht und nah am House, zuweilen mit brachialem Druck nach vorne schleppend. Letzteres zuletzt auf der Warehouse Sessions1, ersteres zum Beispiel auf Patience einer sehr guten 12″ von 2005.

In diesem Monat erscheint Reform Club, das dritte Album, und zwar bei Delsin. Nirgendwo wäre es besser aufgehoben, denn die neun Tracks reichen weit über den Club hinaus. Sie sind die Nacht und sie sind der Sommer. Second Blood: Dunkel, warm und texturiert, wie der Weg entlang des Paul-Linke-Ufers. It’s getting Late: leicht, körperlos, ohne Ende. Control: Peaktime auf dem Weg nach Hause, auf dem Fahrrad in der Ideallinie.

Reform Club ist die Platte, die den Frühling prägt, bevor er wirklich begonnen hat. Sie gehört in die Rotation, für den Fall, nachts allein auf dem Weg zu sein.

  • Claro Intelecto – Reform Club. Delsin, 23. April 2012.
    Snippets bei Soundcloud.

  1. Compilation. Erschienen auf Modern Love: LOVE052 ↩︎

Februar

Die Idee, Musikdateien auf Devices abzuspeichern, ist zunehmend albern geworden. Die wenigen Veröffentlichungen, die Permanenz verdienen, verdienen auch das ultimative Archivformat: Sie sollten als Schallplatte im Regal stehen. Für den großen Rest ist das Web der einzige sinnvolle Ort: Backkataloge, Sets und der eine Track, der es genau jetzt sein muss, lassen sich jederzeit streamen. Mit neuer Musik verhält es sich ebenso – es mangelt nicht an Kanälen (Soundcloud, Hype Machine) und Mechaniken (Following-Prinzip, Bandcamp), um über Releases und Künstler auf dem Laufenden zu bleiben.

Was fehlt, ist ein sinnvolles Interface, um diese Kanäle und Mechaniken zu aggregieren und sie nutzbar zu machen – to foster serendipity, sozusagen. ex.fm ist so ein Interface, allerdings mit dem großen Nachteil, dass es gleichzeitig overengineered und buggy ist.

Glücklicherweise habe ich Freunde, die viel bessere Dinge bauen können. Alex launchte gestern eine kleine App namens Whiskie – ein Musik-Frontend für Tumblr, das an Snappiness und Praktikabilität nicht zu überbieten ist: Es filtert Audiotracks aus den Massen von Neunzigercollagen, Katzengifs und Betonfotos, stellt sie zu Playlisten zusammen und macht sie teilbar. Wie zum Beispiel die großartige Sammlung kalter Wavetracks von Betonbabe. On Repeat.

Ich benutze Whiskie seit einigen Wochen – und es hat für mich Tumblr zu einem Ort für Musik gemacht. Es wird das auch für euch tun. Sprecht mit Alex – er freut sich über überbordendes Lob, Feedback und Feature-Requests.

Januar

Das erste Sonnenlicht des neuen Jahres scheint durch vergitterte Studiofenster auf den Schreibtisch, Bogen um Bogen Zeichenpapier, Ingwerlimonade. Es ist der erste signifikante Musikmoment des neuen Jahres, die Fortsetzung der 36 Kammern mit ganz anderen Mitteln, One for the Wu, gewissermaßen. Es ist der zweite Teil von Onras Chinoseries, so brachial wie zerbrechlich.

Dezember

No Tears (For The Creatures of the Night), das erste Stück Musik in diesem Jahr, habe ich zu laut mitgesungen, in einer sehr gut eingerichteten Wohnung gegenüber den Neukölln-Arkaden.

Ich war in London und Leipzig und dann wird irgendwo stehen, dass ich 2011 ein Designstudio eröffnet habe. Und nicht: Wie lange ich davon träumte und wie gut das Gefühl ist, wenn man in die Sommernacht tritt und hinter sich abschließt. Nicht, wie viel es bedeutet, einen Partner zu haben und auch nicht wie viel Offensichtliches ich noch über Kausalität lernen musste.

Ich habe erlebt, wie DJ Phono im Ego sein erstes Album live gespielt hat und finde, dass Espy recht hat.

Ich war in Zürich und Barcelona, besuchte Damir Domas Atelier in Paris, hatte die beste Playlist in New York und war im Publikum, als Andy Stott und Demdike Stare das Jahr 2011 auf dem Berghain-Floor formuliert haben. No Tears For the Creatures of the Night; it might as well be our battle cry. Die Tracks und Songs und Sets des Jahres.

Winter

  • Tuxedomoon – No Tears (For the Creatures of the Night)
  • Actress – Always Human
  • Ghostface Killah – Ghetto
  • Pawel – Crillon (Sistrum Remix)
  • Spandau Ballet – Gold
  • Madvillain – 3.214
  • The Field – Istegarde
  • Daisuke Tanabe – Coil
  • Tyler, the Creator – Yonkers
  • Ghost of Tom Joad – Snow in the Summertime

Frühling

  • Von Spar – Scotch & Chablis
  • Taras Van De Voorde – 1998 (Deetron Remix)
  • Vince Watson – Long Way from Home
  • Gang Starr – The ? Remains
  • Nas – Represent
  • Dirty Gold – Sea Hare
  • RVDS – Pain
  • Robag Wruhme – Tulpa Ovi
  • Dam Mantle – Rebong
  • Daniel Bortz – No Griggity
  • Pet Shop Boys – I want to wake up

Sommer

  • Battles – Rolls Bayce
  • Quarion – Pepper Candy
  • DJ Phono – Your Name
  • Heiko Laux & Teo Schulte – Sound Hug (Daniel Bortz Remix)
  • Trickski – Wilderness
  • Subb-An – What I Do
  • Andreas Dorau – Stimmen in der Nacht
  • Lunapark – Dieser Tag
  • IAM – L’Aimant
  • Chopstick & Johnjon – Obviously She’s a Whore
  • Aeromaschine – Must Be
  • Felix – You can’t hold me down
  • Tigerskin – Shea’s gone
  • Pional – Where Eagles Dare

Herbst

  • Andy Stott – Posers
  • Shigeto – Children at Midnight
  • Viadrina – Better (Arto Mwambe Remix)
  • Com Truise – Colorvision
  • Meridiens – Animals
  • Ribn – Save Me
  • Efdemin – Nighttrain (Fred P Reshape)
  • Andy Stott – Tell me Anything
  • M83 – Midnight City
  • Conforce – Shadows of the Invisible
  • OCP – Blue Spring

Winter

  • Todd Terje – Ragysh
  • Yør – Golden Boy
  • Moomin – You
  • ItalTek & MF Doom – S/T Bootleg
  • Einstürzende Neubauten – Nagorny Karabach
  • Double X – Sunshine
  • Manuel Tur – Misery
  • OCP – Convoy
  • Pillowtalk – Soft (Life and Death Remix)
  • Madvillain – Cold One

Sets

Schließlich: Was Max John Buschfeld in Bad Bunny Bummer von Minute 44 bis 1:02 macht, ist mit Abstand die beste Viertelstunde, die ich 2011 in einem Set gehört habe. Human League wins everything.

Die lange Form hat es nicht leicht. Wie viele Settings gibt es in meinem Leben eigentlich noch, die eine LP als musikalisches Format aushalten? Die Prozesshaften sind es nicht. Sie verlangen nach mehr Kontinuität und Fluss, ihnen entspricht das Set. Die plötzlich auftretenden Momente (wenn sich die Landschaft draußen vor dem Zugfenster verändert oder die Sonne rauskommt) brauchen ihren Track oder ihr Lied, und zwar auf der Stelle. Das Album ist also im Besten Fall ein Setzkasten. Ein Repertoire von Variationen eines Themas. Wenn es wirklich gut ist, enthält es mehr als eine Handvoll wichtiger Tracks oder Lieder, je nachdem. In dieser Hinsicht waren die Alben des Jahres 2011 anders als diejenigen von 2010 – kein Überangebot großer LPs, sondern eine Reihe Releases, auf die ich beinahe unbemerkt immer wieder zurückgekommen bin.

  • Kangding Ray – OR

    Eine der vielen guten raster-noton-Veröffentlichungen in diesem Jahr – und eine, die ihrem Artwork nicht mehr entsprechen könnte. Präzise separiert in Klicks, Flächen und Beats walzt sich Kangding Ray voran, stets langsam, zuweilen vollständig zum Halt kommend. Musik, die in Museen laufen sollte. Musik, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine der kommenden Rick-Owens-Shows begleiten wird.

  • Lunapark – Gefangene Vögel

    Ich schrieb im August über Lunapark, eine kurzlebige Wave-Formation aus (ausgerechnet) Wuppertal, die sich nach einem Release wieder auflösten. Erstaunlicherweise hat sich Gefangene Vögel länger als einen Monat in meiner Rotation gehalten – dank seiner musikalischen Konsequenz und Funktionalität, seiner guten Texte und seiner Angemessenheit für meine Lebensumstände in diesem Jahr.

  • Conforce – Escapism

    Kein Jahr ohne einen fantastischen Longplayer von Delsin. In diesem Fall das zweite Album von Conforce: Ruhig, untexturiert, deep as fuck. Im Herzen ein Track, der alles auf den Punkt bringt: Shadows of the Invisible. Eine Platte wie eine geräuschlose Shinkansen-Fahrt durch die tiefsten Schluchten von Coruscant.

  • Madvillain – Madvillainy 2 (The Madlib Remix)

    Dass das Original dieser Platte eines der besten Hip-Hop-Releases überhaupt ist, sollte man niemandem erklären müssen. Dass Madlib aus dem Rohmaterial von Madvillainy vier Jahre später durch Cut-Up und Pastiche eine zweite großartige Platte gemacht hat, wäre bei jedem anderem als ihm vollkommen unglaublich. Dass Doom nach wie vor der beste MC der Welt ist, hilft wohl auch. I don’t think we can handle a style so rancid/Flipped it like Madlib did the old jazz standard.

  • Andy Stott – We Stay Together

    Das Unvermögen, die beste Platte des Jahres zu beschreiben. Das einzige Release des Jahres, das mich sprachlos hinterlassen hat; weil es schlicht so unfassbar gut ist. Weil es in seiner brachialen Konsequenz so richtig ist, wie kein anderes – ästhetisch, visuell, intellektuell, persönlich. Und: Das schönste Artwork des Jahres.

Honorable Mention: Roman Flügel – Fatty Folders, Com Truise – Galactic Melt, DJ Phono – Welcome to Whereever you’re not, The Sight Below – Glider, Robag Wruhme – Thora Vukk, VA – Back and 4th, Shigeto – Full Circle, Tyler, the Creator – Goblin

August

Es hat etwas für sich, den eigenen Musikgeschmack pro Jahr zu betrachten. Dabei zuzusehen, wie sich aus den wenigen relevanten neuen Alben, der Flut von 12″-Releases und dispersen Begegnungen mit Tracks und Platten der Vergangenheit nach zwölf Monaten ein konsistentes Ganzes ergibt. Egal, wie verloren ein Jahr im März aussehen mag – spätestens zum Sommer ist die definierende Musik vorhanden. Sich darauf verlassen zu können, ist schön.

Obwohl 2011 bisher nicht arm an guten Veröffentlichungen1 ist, habe ich mich sehr über die unwahrscheinliche Begegnung mit Lunapark gefreut. Es handelt sich dabei um eine Gruppe aus Wuppertal, die 1982 ein Album und eine 12″ veröffentlicht hat. Das ist wenig, doch vollkommen ausreichend – denn die Platte namens Gefangene Vögel ist fantastisch.

Lunapark balancieren zwischen ausgehendem Post-Punk und beginnendem Wave. Die Bassmelodie ist also dort, wo sie hingehört (vorne), ihr Synthie klingt roh und direkt, Gitarren sind für Soli und ansonsten Rhythmusinstrument. Alles hallt. Für den Gesang fällt mir nur der englische Ausdruck deadpan ein – eine angemessene Form für richtige Texte wie „Autos Kinder tausend Bilder / keine Resultate / bunte Tafeln an den Straßen zeigen nicht worauf ich warte“. Das Ergebnis ist konsequente Musik – simpel, funktional und hinreichend roh.

Lunapark hatten das Glück, sich aufzulösen, bevor sie Einflüsse zulassen konnten – schließlich einer der Hauptgründe für schlechter werdende Bands. Darum wird Gefangene Vögel eine meiner Platten des Jahres sein, ich bin mir sicher.

Da das offenbar andere ähnlich sehen, gibt es ein digitales Re-Release auf Tusk bei iTunes und eine Myspace-Seite. Das hatte man wohl so, Anfang der Achtziger.

  • Lunapark – Gefangene Vögel, Digital (Tusk). Original: Vinyl, 1982 (InTakt).

  1. Dirty Gold, Phono, Rau ↩︎

Mai

Es gibt Momente, die setzen einen Ort auf die persönliche Landkarte. Oft sind es Augenblicke, in denen auf einmal Dinge zusammenkommen, in denen klar ist: das ist jetzt der Sound, das ist jetzt die Stadt, das sind die Menschen und hier ist mein Getränk. Es gab diesen Moment für mich, als ich gerade nach Hamburg gekommen war, am Ende eines langen Abends. Es war der Moment, in dem ich zum ersten Mal DJ Phonos Welcome to your Life gehört habe und dachte: Ah. Hamburg. Eine Begrüßung.

Seit dem folgenden Tag habe ich das Haus nicht mehr verlassen, ohne diesen Track bei mir zu haben, seine tiefen Flächen und das Läuten der Glocken des Michel am Ende. Im Grunde ist es Soulmusik – die Erkenntnis, alt geworden zu sein. Und das Bewusstsein, dass das nichts ändert.

Nicht nur wegen dieses Tracks (sondern auch wegen nicht eben wenigen Partys und Momente in der Sonne) ist es eine große Freude, dass Henning Besser im Juni sein erstes Album veröffentlichen wird. Und auch diese Platte ist eine Begrüßung, High-Five und Umarmung: Welcome to whereever you’re not. Ich habe bisher nur wenig gehört, doch was ich gehört habe, reicht aus um zu vermuten: Hier kommt eines der Alben des Jahres 2011. Eines, das spezifisch für Hamburg sein wird, weil es einem schwer macht, zwischen Traurigkeit und Schalk zu unterscheiden. Weil wir das hier so machen, in dieser Stadt. Diese Platte könnte den Sommer bedeuten.

  • DJ Phono – Welcome to whereever you’re not, LP/MP3, Diynamic. Release: 13 Juni 2011.

März

Hamburg! Ihr wisst, der Ort, an dem man wenig Aufhebens um die guten Dinge macht. Und die Zeit statt dessen darauf verwendet, sie noch etwas zu polieren, ihnen Eigenarten zu geben. Und weil ehrliche Hingabe glücklicherweise von kulturpolitischen Brandrodungen nicht betroffen ist, finden wir auf unseren Wegen, zwischen Altona, Bahrenfeld und Winterhude allerlei Schönes, Hingebungsvolles. Gründe zum Lächeln und Anlässe zum Tanzen.

Verantwortlich sind dafür immer wieder auch die wunderbaren Menschen bei I saw Music, die nicht nur relevante Popmusik veröffentlichen, sondern auch regelmäßige Soirées veranstalten, die in ihrer Konsequenz und Ausgestaltung zum Schönsten gehören, was die Nächte dieser Stadt zu bieten haben.

Am Freitag findet in dieser Tradition Auf den Trümmern statt, eine Tanzveranstaltung im Turmzimmer des Uebel & Gefährlich. Wäre das Lineup nicht so gut – man müsste die Nacht zum Sonnabend dennoch dort verbringen. Denn die Plakate und Mixtapes (von Lorin Sylvester Strom und Max Motor) zur Veranstaltung sind so liebevoll gestaltet, gedruckt, aufgenommen und in den Vierteln dieser Stadt verteilt worden; die Neugier hätte ausgereicht.

Mit etwas Glück finden sich in guten Cafés und Bars noch einige Exemplare der blauen Kasetten mit intelligenter elektronischer Musik. Alternativ weiß ich eine Abkürzung: Auf den Trümmern-Tape, zum Download. Viel besser als das ist nur eine Party in Hamburg. Und zwar diese.

  • Auf den Trümmern – Tanzveranstaltung
    Sets von Sebastian Kokus und Lorin Sylvester Strohm, Max Motor und on:stop:off (live). 4. März 2011, Turmzimmer Uebel&Gefährlich, Doors: null Uhr.

Dezember

Mal wieder und immer wieder der letzte Tag eines Jahres. Ich erinnere mich an die Nächte vorm Monitor, den Wind im Gesicht und im Rücken, das Gewitter auf der anderen Seite des Sees. An Haut und Sand, Wien, Paris und Dänemark, einer Entscheidung für Hamburg, an die Nächte in Berlin, an all die Drinks, die Performances und das Zusammenklappen, Win und Fail und immer wieder immer wieder. Songs und Tracks für 2010:

Winter

  • Lykke Li – Dance Dance Dance
  • Ja, Panik – Paris
  • Pantha Du Prince – Lay in a Shimmer
  • Four Tet – She only wants to fight
  • Benjamin Brunn & Move D – Love the one you’re with
  • Jose James – Blackmagic (Joy Orbison’s Recreation)
  • Pantha Du Prince – Stick to my Side
  • Shed – Warped Mind
  • Christian Naujoks – Light over the Ranges

Frühling

  • Autos und Mädchen – All the World loves Lovers
  • Flying Lotus – Do the Astral Plane
  • Delta Funktionen – Deflection
  • Big L– Da Graveyard
  • Coma – Crystal
  • New Order – Dreams never End
  • Foals – After Glow
  • Superpunk – Das Feuerwerk ist vorbei
  • Efdemin – Oh my God

Sommer

  • Matthias Reiling – Just in Time
  • Efdemin – There will be Singing
  • Matthias Meyer – Infinity
  • Souls of Mischief – ’93 till Infinity
  • Lawrence – Happy Sometimes
  • Maxine Nightingale – Right Back where we started from
  • Marek Hemmann – Gemini
  • 1000 Robota – Fahr Weg
  • The Human League – Don’t you want me
  • Foster – Quiet before The Storm (Quarion Remix)

Herbst

  • anbb – Ret Marut Handshake
  • Éloi Brunelle – Oberkampf
  • Shed – The Bot
  • Surphase & Rktic – Tidenhub
  • The Aim Of Design Is To Define Space – It’s a bloody Kippenberger
  • MIT – Nanonotes
  • Pantha du Prince – Water Falls
  • Siouxsie & The Banshees – Hong Kong Garden
  • MIT – Univers

Winter

  • Alex Boman – Purple Drank
  • Lawrence – Dwelling on the Dunes
  • anbb – One
  • Gold Panda – Snow & Taxis
  • Christopher Rau – The Needs
  • Phantom/Ghost – My Secret Europe
  • New Order – Temptation
  • The Human League – I love you too Much (Demo Version)
  • The Soft Moon – Dead Love
  • Phantom/Ghost – The Shadow im Schutt (Pantha du Prince Remix)
  • New Order – Perfect Kiss

Sets

Live

  • Pantha du Prince, Melt! Festival, Gräfenhainichen
  • Four Tet, Melt! Festival, Gräfenhainichen
  • anbb, Kampnagel, Hamburg
  • Kollektiv Turmstraße, Ego, Hamburg

Eine Aneinanderreihung von Ereignissen ist nur schwer als Zeitraum oder gar konsistente Geschichte zu schreiben, wenn ihr Kontext fehlt. Ihr Kontext, das ist zumeist die Stimmung und ein Gefühl. Das ist das Sonnenlicht auf deinen Armen und die Alben in der Playlist namens Current Rotation auf deinem iPhone.

Dieses Jahr war ein fantastisches Jahr für Musik. So viele exzellente Releases. Was Popmusik und das erstaunlicherweise nach wie vor existierende Albumformat betrifft, sind es zuallererst diese fünf Veröffentlichungen, die meine Ereignisse zu Geschichten gemacht haben. Die fünf wichtigsten Platten, zweitausendzehn.

  • anbb – Mimikry
    Dass das erste Album in der Kollaboration zwischen Blixa Bargeld und Alva Noto so wichtig war, hat mit einem der eindrucksvollen, eigenartigen Konzerte des Jahres zu tun. Und mit brachialer Zerbrechlichkeit, Statik und formaler Konsequenz. Diese Platte in der Nacht, zum Ende hin, wie gesagt.
  • The Soft Moon – The Soft Moon
    Wie Quad Throw Salchow im vergangenen Jahr hätte The Soft Moon keinen besseren Zeitpunkt für sein Debutalbum wählen können – eine Winterplatte durch und durch: Düster, kalt, treibend. Allem voran Dead Love, einer der besten Wave/Gitarrensongs des Jahres. So hätten The XX klingen können, wenn sie nicht so unbeschreiblich langweilig wären. Mehr Coolness, bitte.
  • Efdemin – Chicago
    Chicago, eine ganz andere Sache. Auf seinem dritten Album entwickelt Efdemin einen organischen Zugang zu House, zu freier elektronischer Musik. Chicago ist eine Jazzplatte, ein Pop-Album und die Musik des beginnenden Sommers – und dazu hätte allein Oh my God ausgereicht. Es ist außerdem das wohl am schönsten gestaltete Album des Jahres.
  • Mit – Nanonotes
    Nun zu den Besten. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass Mit zwei Jahre nach Coda ein Album veröffentlichen, dass alle früheren Releases in Eigenständigkeit, Klugheit und Ästhetik bei weitem übertrifft. Und dabei waren Mit bereits brillant, ungestüm und schlau. Nanonotes ist einen Schritt weiter, textlich wie musikalisch stripped, auf den Punkt, universell. Wohl die meistgehörte Platte 2010 und die beste Popmusik der letzten Jahre. Alles weitere in Extensio hier.
  • Pantha du Prince – Black Noise
    Das erste und das letzte Album. Das kälteste und das wärmste Album des Jahres. Ein Schimmern, ein Glänzen, gefrorene Felder, Schutt und Eis, abstrahierte Natur, Elektroakustik. Die Kapuze, das Wehen, ein schöner Künstler. Es wird nie eine Platte geben, die besser zur zutiefst artifiziellen und zugleich naturnahen Beobachtungssituation passt, die entsteht, wenn man durch ein Flugzeugfenster auf die ewig vereiste Welt blickt. Mein Jahr in Nuce, Black Noise, ein großes Kunstwerk.

Weiterhin erwähnenswert, in keiner besonderen Reihenfolge: Gold Panda – Lucky Shiner, Various – Dial 2010, Shed – The Traveller, Lawrence – This Night Will Last Forever, Tocotronic – Schall und Wahn, Coma – Crystal EP, Flying Lotus – Cosmogramma, The Human League – Dare!, Foals – Total Life Forever, Four Tet – There is Love in You, Superpunk – Die Seele des Menschen unter Superpunk, Christopher Rau – Asper Clouds

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